Tannöd-Wanderung: Waidhofen und Hinterkaifeck bei Schrobenhausen

(Wanderung 4,7 Kilometer und 10,4 Kilometer) Wir waren bislang nur ein einziges Mal in Schrobenhausen, als dort vor Jahren „Die Blockflöte des Todes“ aus Berlin seltsamerweise eines der wenigen Konzerte in Bayern gegeben hat. Die Ecke kannten Gitta und ich kaum, da der Spargel auch ohne Wanderausflug nach München kommt. Außer Asparagus und dem netten Städtchen an der Paar verbanden wir mit der Gegend eigentlich nichts weiter Sehenswertes. Nach einer Recherche über den mysteriösen Mord in Hinterkaifeck 1922 landete ich wieder im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Neugierig geworden auf Lage und den Tatort Hinterkaifeck, haben wir uns vor Ort umgesehen und nicht nur Düsternis entdeckt. Ganz im Gegenteil!

Das erwartet euch auf der Rundtour bei Waidhofen/Hinterkaifeck

  • Die kurze Tour: 4,7 Kilometer auf überwiegend guten Wegen.
  • Die ausgedehnte Tour: 10,4 Kilometer. Feld-, und Waldwege sowie Wiesenpfade, die im Frühjahr gut zu gehen sind, aber bei schlechtem Wetter gutes Schuhwerk erfordern. Nicht kinderwagengeeignet. Ausweichstrecke im Winter und Sommer bei starker Vegetation führt 650 Meter auf moderat befahrener Landstraße.
  • Spargelanbaugebiet und teils südländisch anmutende Kiefernwälder auf vielfarbigen Sandböden
  • Der Acker und das Marterl beim Tatort, der auch Schauplatz des Romans Tannöd war. Das Gehöft selbst wurde 1923 abgerissen.
  • Die wunderbar mäandernde Paar bei Waidhofen.
  • Einkehrmöglichkeit in der Edelweißhütte (nur am Wochenende geöffnet ab März bis Herbst) oder am Anfang/Ende der Tour im Gasthaus Bogenrieder in Waidhofen.

Darum lohnt sich ein Wanderausflug ins Spargelland bei Schrobenhausen

  • Schon mal im östlichen Oberbayern gewesen? Alleine sich geographisch besser orientieren zu können macht diesen Abstecher lohnenswert. Die Gegend ist abwechslungsreich. Von der traditionsreichen Kulturregion mal ganz abgesehen.
  • Besuch des nahen Schrobenhausen mit seiner fast geschlossenen Wehrmauer und der gemütlichen Altstadt.
  • Etwa zwischen Mitte April und Johanni Ende Juni kann man frischen Spargel direkt vom Erzeuger kaufen oder jeden Donnerstag und Samstag am Wochenmarkt in Schrobenhausen.

Wo liegt Hinterkaifeck? Anreise nach Waidhofen bei Schrobenhausen

Hinterkaifeck liegt ca 5 Kilometer Luflinie östlich vom Ortskern Schrobenhausen, nahe dem Ortsteil Gröbern das zu Waidhofen gehört. Die Tour selbst startet aber in Waidhofen / Kirche.

Anreise mit der Bahn: Wer sich für diese Wanderung interessiert kommt besser mit dem Auto. Die Zuganreise nach Schrobenhausen dauert selbst zwischen einer und eineinhalb Stunden. Für die Weiterfahrt nach Waidhofen bleibt aber nur das Taxi, da die Anfahrt mit dem Bus der Linie 9242 nur ein früher werktägiger Pendlerbus ist. Auch wenn sich Hinterkaifeck vom Bahnhof Schrobenhausen durchaus erreichen ließe, wäre uns der Anmarsch nicht attraktiv genug.

Anfahrt mit dem Auto: Auf der Autobahn A9 dauert es vom Nordfriedhof bis Waidhofen etwa eine Stunde. Es empfiehlt sich die Ausfahrt Langenbruck vor Ingolstadt. Auch wenn die Fahrt über die B300 etwas länger ist (77 Kilometer), fährt man stressfreier, als über die kurvige Route über Allershausen (66 Kilometer). Der Start für beide Wanderungen ist der Parkplatz vor der Pfarrkirche Mariä Reinigung.

Von der Pfarrkirche Waidhofen über die Paar zu den Spargelfeldern wandern

Unser Ausgangspunkt, die Pfarrkirche Waidhofen, ist Start und Endpunkt zugleich. Wir statten am Friedhof zuerst dem Grab der Ermordeten einen Besuch ab. Der Gedenkstein trägt die Namen des Bauernehepaars Andreas (64 Jahre) und Cäzilia (72 Jahre) Gruber, deren Tochter Viktoria Gabriel (35 Jahre), deren Kinder Cäzilia (7 Jahre), Josef (2 Jahre) und die Magd Maria Baumgartner (45) Jahre). Vier Tage nach dem Mord in der Nacht vom 31.03. auf den 01.4.1922 wurden hier am 8. April 1922 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Opfer beigesetzt. Allerdings bis heute kopflos, da diese zu Ermittlungszwecken an die Rechtsmedizin nach München gebracht wurden, wo sich ihre Spur verläuft.

Unsere Wanderung nach Hinterkaifeck war der tägliche Schulweg der siebenjährigen Cäzilia, der am Postbauernweg zuerst an der Friedhofsmauer entlang, dann schon nach 130 Metern auf die Paar stößt. Wir überqueren den Fluss und folgen dem Weg, der dem sanft ansteigenden Hang aufwärts folgt.

Spargelland und Kiefernwälder

Die Felder ändert die Farbe, vom moorigen schwarz zu hellem lehmigen Sandboden, der sich im Frühjahr schnell erwärmt. Spargelland! Etwa hier begann Christian Schadt 1912 mit den Anbau des Gemüses, das seit 2010 mit der Kennzeichnung Schrobenhausener Spargel eine von der EU geschützte Marke ist. Die Felder sind hier von langen Plastikfolien überzogen, die sich im Wind wie Wellen auf dem Wasser bewegen. Ökologisch?

Nach Hinterkaifeck gelangen wir, indem wir am Spargelhof die kleine Landstraße überqueren und nach etwa 300 Metern in nordöstlicher Richtung dem Waldrand folgen. Es riecht nach Kiefern und Urlaub in Italien. Zum Marterl wandert man über den Weg, der 500 Meter weiter links in das Hexenholz führt. Schnell auf der anderen Seite angelangt, weist uns die große alleinstehende Tanne die Richtung, zu der es nur noch 350 Meter sind. Eine Bank an der Gedenkstätte lädt zur Brotzeit und dem Innehalten ein.

Der verschwundene Tatort Hinterkaifeck

Etwa 250 Meter nordöstlich des Gedenksteins und südlich der Straße nach Gröbern stand einst der Mordhof Hinterkaifeck. Nichts erinnert mehr an den Tatort, der bis heute die Phantasie in ganz Deutschland beflügelt und anspornt, die Bluttaten aufzuklären. Bislang erfolglos.

Viele Thesen wurden entwickelt, die nie belegt werden konnten, zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, für die am Ende die Beweise fehlten. War es der geisteskranke Bäcker Josef Bärtl oder doch Lorenz Schlittenbauer, dem eine Beziehung zu Victoria Gabriel nachgesagt wird?

Vielleicht starb Victorias Mann nicht im ersten Weltkrieg und er übte Rache wegen der inzestuösen Beziehung seiner Frau mit ihrem Vater? Nur einige der möglichen Mordmotive. Ein Jahr nach der Tat wurde der Bauernhof schon abgerissen.

Quellen zum Mythos Hinterkaifeck:

Durch den Wald zur Edelweißhütte gewandert

Wir gehen vom Marterl den Feldweg nach Westen und weiter 1,5 Kilometer durch den Wald. Immer die Richtung beibehalten, nicht abzweigen. Kurzer Blick nach Waidhofen über die Felder und das kaum wahrnehmbare Paartal. Hinter dem Parkplatz an der Landstraße rechts auf den Waldweg und auf den Fußpfad gleich danach scharf links abbiegen. Zuerst entlang der Landstraße, taucht die Edelweißhütte unvermittelt nach etwa 600 Metern weiter westlich auf, sofern ihr nicht links abgebogen seit.

Edelweißhütte

Mitten im Wald auf dem Mahlenberg steht seit 1925 die Edelweißhütte der Alpenvereinssektion Schrobenhausen. Im Sommer lädt ein Biergarten ein, wenn es regnet oder kälter ist, taucht man drinnen in Skihüttenatmosphäre ein. Die Speisekarte ist übersichtlich und bürgerlich. Die Preise sind günstig, der Service aufmerksam. Jeden 1. Sonntag im Monat gibt’s Schweinebraten. Gegessen und für gut befunden!

Öffnungszeiten: Samstag:  18:00-23:00 Uhr/Sonntag:  10:00-20:00 Uhr
Adresse: Edelweisshütte Schrob, Königslachen 6, 86529 Schrobenhausen
Webseite:Edelweisshütte Schrob 

Durch das Paartal zurück nach Waidhofen wandern

Den Rückweg könnt ihr in zwei Varianten gehen. Variante 1 ist besser für Frühjahr und Sommer und Regen. Es geht leider etwas auf einer Teerstraße, sofern ihr nicht den Versuch starten wollt über Wiesenwege zu gehen, Variante 2 die eventuell durch Vegetation etwas zugewachsen sind:

Variante 1 „Der sichere Weg“: Geht auf den Waldweg 650 Meter zurück, bis zu jener Stelle, bei der ihr nach dem Parkplatz die Landstraße kurz berührt habt. Folgt der Fahrbahn 600 Meter nach Osten bis zum ersten Bauernhof, der 70 Meter rechterhand zwischen den Äckern liegt. Den Hof durchqueren und auf dem Wirtschaftsweg nach Süden zum Wald wandern.

Variante 2 „Der Wiesenweg“:  Von der Edelweißhütte 250 Meter auf den gleichen Weg, wie wir gekommen sind, zurückgehen, dann rechts nach Süden abbiegen und nach 100 Meter die Landstraße überqueren. Auf der anderen Straßenseite den Waldweg 180 Meter weiter folgen und danach links nach Osten abbiegen bis sich der Forst lichtet. Rechts am Feldrand 170 Meter bis zum Entwässerungsgraben nach Süden gehen. Entlang dem dunklen Moorwasser 500 Meter nach Osten bis zum Wald wandern und am Forstrand weiter 220 Meter zum geteerten Wirtschaftsweg gehen.

Durchs Moor und entlang der Paar spazieren

Um einen unnötigen Schlenker zu vermeiden, biegen wir wenige Meter nach betreten des Waldes links ab und bleiben auf dem Weg, bis er nach 700 Metern wieder auf offenes Feld stößt. Die Paar verläuft rechts des Weges hinter dem Schilf, auch wenn sie sich nicht sehen lässt. Den Kirchturm von Waidhofen erkennt man bereits in der Ferne. Weitere 700 Meter nach Osten bis kurz vor die Brücke gewandert und links abgebogen. Wir folgen dem Weg des Flusses, der in wilden Schleifen durch das Paartal mäandert. Biber haben ihre Bissspuren in die Bäume gegraben. Der Weg schließt sich, wenn Cäzilias Schulweg erreicht ist, der uns zurück zum Auto leitet.

Kleine Orientierunshilfe

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