Feierabendspaziergang zum Waldperlacher Kiesgrubenbiotop im Truderinger Wald

(Spaziergang, 5,3 Kilometer) Unser Hund ist bewegungsfreudig und das ist gut so. Seitdem wir mehrmals am Tag mit ihm unterwegs sind, fühlen auch wir uns fitter. Allerdings stets die gleichen Gassirunden abzulaufen, kann fade werden, weswegen wir so oft als möglich für Abwechslung sorgen. Einer unserer Lieblingsspaziergänge in der „Nachbarschaft“ geht 5,34 Kilometer durch durch den Truderinger Wald bei Perlach mit Start beim Kieswerk Mälcher

Losgewandert am ältesten Kieswerk Münchens,
Putzbrunner Straße 193

Parkplätze gibt es reichlich am „ältesten Kieswerk Münchens mit jungen motivierten Mitarbeitern“, wie man auf der Website des Unternehmens lesen kann. Folgt man der Teerstrasse ein kleines Stück weiter nach Norden, sieht man auf der rechten Seite die Einfahrt zur Bürovilla des ehemaligen Kieswerk Roth. Offiziell müssen wir aber einen anderen Eingang auf das Gelände nehmen, nämlich den etwas südlicher, rechts in den Wald und links einem Fußpfad folgend. Auf der Freifläche erwartet uns ein großes metallenes Industriedenkmal aus den 30er Jahren. Die sogenannte „Nassrohr- oder Kugelmühle“ wurde verwendet, um grobes Steinmaterial zu zerkleinern, indem schwere Metallkugeln in dem rotierenden Trommel-Mahlraum mit Wucht auf die darin ebenfalls befindlichen Steine geschleudert wurden. Sie befindet sich an der Stelle des ursprünglichen Quetschwerkes, welches Anfang der 90er Jahre abgerissen wurde. Auf historischen Satelitenbildern in „Google Earth“ ist es noch ganz deutlich zu sehen (Ansicht „Historische Bilder“ wählen).

Rest in Peace: Kieswerk Roth

Das ehemalige Kieswerk befand sich von den 30er Jahren, bis Mitte der 80 Jahre in Betrieb. Seine Blütezeit hatte es nach dem Krieg, als im Zuge der Aufbauarbeiten der zerstörten Stadt München die Nachfrage nach Baumaterial massiv gestiegen war. Als am Ende der Kies nahezu abgebaut war und eine Modernisierung der Werkanlagen anstand, ließ sich der wirtschaftliche Betrieb des Kieswerks nicht mehr sichern, da die Verarbeitung von Fremdkies nicht genehmigt wurde. Die vornehmlichen Gründe dafür waren, der „Schutz des Truderinger Waldes, der als Bannwald, Wasserschutzgebiet, regionaler Grünzug und Landschaftsschutzgebiet große Bedeutung für München hat.“
Quelle: Faltblatt der Ladeshauptstadt München Referat für Stadtplanung und Bauordnung März 2006. Die Betriebsgenemigung wurde somit entzogen und eine Abrißverfügung der errichteten Gebäude verfügt.

Heute: Biotop mit hoher Pflanzen und Tiervielfalt

Wir orientieren uns nach links und folgen dem Weg östlich des ehemaligen Verwaltungshauses. Die gehölzfreien Kieshalden liegen etwas höher und bieten einen tollen Ausblick auf das Gelände. Dort haben sich mittlerweile sogenannte Ruderal- oder Schuttfluren entwickelt. Pelle rennt die Kiesbänke rauf und runter. Pioniergehöz überwuchert den Boden des tiefergelegenen Areals. Nach wenigen hundert Metern sehen wir, gesäumt von Schilfgewächs, den Grundwasserteich. Ich laufe den Hang hinunter.

Es ist herrlich zu beobachten, wie schnell die Natur in der Lage ist, eine Brache in ein Paradies zu verwandeln. Umgeben von Fichten-Monokultur kann man die Oase von heute fast als Ausgleich für den jahrenlangen Raubbau und dem emmissionsintensiven Kies-Abbau sehen . Bei einer ersten Biotopkartierung in den Jahren 1999 – 2000 wurden bereits 160 Pflanzen- und 30 Vogelarten gezählt. Ich hoffe doch sehr, dass dieser Lebensraum sich positiv entwickelt und nicht zum Müllplatz verkommt. An der Kugelmühle war der Schrott des letzten „Ramadamas“ hinterlegt: eine alte Vespa und ein Zigarettenautomat, die man wohl aus dem Teich gefischt hat. Wegen zahlreicher nächtlicher Feiern am Wasser würde ich hier auch nicht barfuß durch das Gelände laufen.

Die Kiesgrube im Truderinger Wald in 360°


Mit Pelle umrunde ich zur Häfte den Teich und mache einen kurzen Abstecher zur Josefskapelle, wo ich keinen Abfalleimer für die Häufchentüte finde. Selbstverständlich schmeisse ich es NICHT in die Gegend oder hänge es an einen Baum. Es ist hier viel abgeholzt worden und die Kapelle steht nur noch teilweise im Wald. Schade, zurück. Etwas östlicher, wo sich der nördliche Dammpfad der Kiesgrube mit dem Weg noch Trudering kreuzt,  findet man etwa nach 200 Metern unter Fichtenbäumen den sogenannten „Schwedenstein“, eine Replik des Originals, die man im Hof des Münchner Stadtmuseums finden kann.

Der Schwedenstein

Man kann wählen, welcher Legende man zum Schwedenstein man eher glauben mag:
Legende 1: Das Grabdenkmal von General Gustav Carl Horn
Bei Kämpfen ist der schwedische General Gustav Carl Horn auf der Putzbrunner Strasse vor oder nach der Plüderung von Perlach gefallen. Perlach wurde tatsächlich von den Schweden und den nachrückenden kaiserlichen Truppen geplündert. Wer das glauben will muss ignorieren, dass der General in Stockholm begraben liegt.

Legende 2: Ehrenmal für den Empfang für Kaiser Karl V.
Auf den Weg von Insbruck zum Reichstag nach Augusburg wurde für den Kaiser auf der ehemaligen Perlacher Hayd eine Jagd veranstaltet, derer man sich noch lange erinnern wollte.

Vielleicht ist der Stein aber auch eine ehemalige Orientierungssäule oder ein Marterl (Quelle: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg). Ich glaube, dass das Grab von General Horn in Stockholm leer ist und er tatsächlich hier von einigen tapferen Perlacher Bauern für seine Untaten bestraft und begraben wurde.

Vom SDSC01433chwedenstein gehen wir noch ein weiteres Stück nach Osten, um uns kurz vor den Feldern bei Oedenstockach links einen Bogen links zu schlagen. Wir folgen der Hochspannungsleitung zurück Richtung nach Neuperlach. Wo die Stromleitung in der Erde verschwindet, folgen wir am Waldrand dem Weg in südlicher Richtung zurück bis zum Auto (beachte „Kleine Orientierungshilfe“).

 

Kleine Orientierungshilfe

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Waldperlacher Kiesgrubenspaziergang, 5,34 km

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Parkplatz: 48.092069, 11.662931
Schwedensein: 48.091288, 11.678402
Josefskapelle: 48.088694, 11.676933
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