Gedanken über Hunde und Menschen: Zur Ausstellung im Bayerisches Nationalmuseum

Ein junger Mops sitzt auf einem Sessel mit rotem, leicht abgeschabtem Samt. Sein nach von unten gerichteter Blick ist skeptisch melancholisch. Der kleine Hund heißt Siegfried und sein Maler heißt Thomas Theodor Heine, bekannt vor allem als Karikaturist der Satirezeitschrift Simplizissimus. Siegfried ist der Titelhund der Sonderausstellung „Treue Freunde“, die sich vom 28.11. bis 19.4.2020 der besonderen Beziehung zwischen Mensch und Tier widmet.

Gitta und ich verbindet etwas mit Thomas Theodor Heine, nämlich die Hundeliebe. Unser Familienvierbeiner heißt Pelle, ein mittlerweile fünfjähriger Cockerpoo-Junge, der überall dabei ist, wo Hunde gelitten sind. Darum hatten wir die Ausstellung schon lange unter Beobachtung, es leider nicht geschafft, da wir meist gemeinsam am Wochenende draußen sind. Mit der Einladung zum Bloggerwalk und unter sachkundiger Leitung der  Ausstellungsmacher bekamen wir eine exklusive Führung und spannende Einblicke zu der kulturhistorischen Einordnung der engen Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Tipp: Man muss nur wissen, dass das Nationalmuseum am Donnerstag bis 20:00 Uhr geöffnet hat!

Hundebeziehungen in 12 emotionalen Blickwinkeln

Die Ausstellung ist in der oberen Etage, die man über eine eindrucksvolle Treppe erreicht. Hören wir Hundegebell in einer der bedeutenden kunst- und kulturgeschichtlichen Museen Europas? Die Ausstellungsmacher empfangen uns vor dem Eingang zur Sammlung, von dessen Rahmen uns das bronzene Gesicht eines Jagdhundes entgegenblickt.

Kurze Einweisung: Wir dürfen nicht alles fotografieren, auch nicht den rosa Mops von Ottmar Hörl, vor den sich Tanja Praske stellen muss, damit der Künstler keinen Ärger macht (obwohl man den Hund bei Etsy für 110 € kaufen kann). Dr. Frank Matthias Kammel, Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums in München stellt sein Team vor. Seit 2018 ist der Kunstwissenschaftler im Haus und die Ausstellung über Hunde und Menschen seine Erste. Was für eine schöne und kluge Idee, denn für diese Sammlung konnte jede Abteilung des Hauses seine interessantesten Stücke bereitstellen. Und nicht nur sie. Zahlreiche Leihgaben runden die Perspektive ab. Die Ausstellung besteht aus 12 Blickwinkeln:

  1. BAUSCHAN Thomas Mann und sein Hund
  2. HUNDEFREUNDSCHAFT Prominente mit Hund
  3. BEFREMDLICHKEITEN Anziehend und abstoßend
  4. PARTNERSCHAFT Freunde und Gefährten
  5. STATUSSYMBOLE Hunde und Macht
  6. HELFER Hunde im Dienst
  7. SPIELEREIEN Hunde und Vergnügen
  8. TRENDSETTER Hunde in Mode
  9. BÖSARTIGKEITEN Bisse und Haufen
  10. HUNDEMENSCHEN Vertauschte Rollen
  11. HUNDELIEBE Fantasie und Erotik
  12. HUNDEKULT Bilder und Gefühl

Hundefreundschaften und Partnerschaften

Die Führung beginnt mit Thomas Mann, der mit seinem Buch „Herr und Hund“ das enge Verhältnis zwischen Tier und Mensch als Erster so ausführlich beschrieben hat. Das Buch mit dem treffenden Zitat „Wunderliche Seele! So nah befreundet und doch so fremd …«  feierte mit der Ausstellungseröffung im November 2019 sein 100-jähriges Jubiläum.

  • Wir sind Thomas Mann und Bauschan übrigens auf unserer Wanderung von Gmund über den Tegernseer Höhenweg.(Link zur Wanderung) bereits begegnet. Das Denkmal an der Seepromenade zeigt den Schriftsteller mit seinem Hund (von Hühnerhundemischling Buschan selbst gibt es nur ein Foto mit seinem Hinterteil). In seinem Ferienhaus am Tegernsee hat er übrigens Teile des Buchs geschrieben.

Zahlreiche Prominente sind ohne ihren Hund kaum vorstellbar. Am ausgeprägtesten bestimmt bei Rudolf Mooshammer und der Yorkshire-Terrier Dame Daisy, deren Tod immerhin auch dem Spiegel ein Beitrag wert war. Oder beim Herr der Mopse Vicco von Bülow oder dem Reichskanzler Bismarck, mit seinen Deutschen Doggen, die als „Reichshunde“ bezeichnet wurden.

Hunde als Imageträger

Die interessantesten Promi-Hundebilder sind sicherlich die von David Bowie (Hund ist Macho-Accessoire), Peggy Guggenheim mit ihren Lhasa-Apso-Hunden (exzentrische Kunstsammlerin) oder Barack Obama mit dem Portugiesischen Wasserhund „Bo“ (sportlicher Präsident läuft mit Familienhund). Jedes der Bilder dient der Selbstinszenierung und soll das eigene Image unterstreichen. Und heute? Wie wichtig ist die Größe des Hundes und seine Rasse?

Hunde als Symbole der Treue

Wir sehen die Hunde in der Ausstellung als Gefährten von Heiligen, Fürsten und Obdachlosen.  Konnten sich die Herrschenden nicht immer der Treue ihrer Untertanen gewiss sein. Bei den Hunden waren sie es. Als Kabinettshunde sind sie als Begleiter ihrer „Herrchen“  – und nicht nur aus diesem Grund – auf vielen Bildnissen zu sehen. Besonders innig fanden wir das „Selbstbildnis bei Kerzenlicht“ von Christoph Friedrich Reinhold. Auch wenn kein Blickkontakt besteht, zwischen Herr und Hund scheint eine enge Beziehung zu bestehen. Der Blick des Hundes ist wunderbar auf den Punkt, den man nur bei gegenseitiger Vertrautheit einfangen kann.

Wir können das nachvollziehen. Auch Pelle sucht unsere Nähe. Er ist selten weit von uns entfernt auch wenn wir ihn nicht sehen. Der Ruf seines Namens reicht, damit wir es erst irgendwo rascheln und dann seine Schritte hören, die sich uns nähern. Egal wie gut ein Tag gelaufen ist, Pelle freut sich immer uns zu sehen.

Hunde als Statussymbole

Im lesenswerten Ausstellungskatalog heißt es hierzu: „Ein Hund an der Seite eines Fürsten in einem Bildnis ist stets ein vielschichtiges Attribut“. Hunde im Porträt sind ein Ausweis von Wohlstand. Jagdhunde der Hinweis auf das Jagdrecht, was die Herrschaft und kräftige Hunde die Macht der dargestellten Person bezeugen. Siehe Hunde als Imageträger.

Wie schön mit einem eigenen Hund zu leben

Viele Blickwinkel der Ausstellung treffen haargenau die eigene Beziehung zu unserm Hund. Besonders die der Freundschaft und Partnerschaft. Außerdem haben wir weitere Aspekte entdeckt: Zum Beispiel die des Motivators & Fitness-Coachs: Gemeinsam bei jedem Wetter rauszugehen und bei Wanderungen Erlebnisse für den Blog zu sammeln.

Hunde als Helfer und Zeichen ihrer Zeit

Der Hund gilt als ältester »companion animal« des Menschen und hat viele Aufgaben. Lange waren sie reine Arbeitstiere, betraut zum Beispiel mit dem Hüten von Tieren, der Bewachung von Haus und Hof oder der Jagdbegleitung, was sich in der Vielzahl der höfischen Exponate zeigt. Hunde wurden auf Treibjagden eingesetzt. Aufwändige in Szene gesetzte Halsbänder lassen erahnen, wie groß die Tiere waren und wie geschätzt. Ein eindrucksvoller Hundepanzer diente bei der Sauhatz das wertvolle Nutztier zu schützen.

Dackel, Pudel & Mops

Wir lernen: Möpse waren der letzte Schrei an den Höfen Europas und bald darauf auch bei den Bürgern beliebt und der drahthaarige Foxterrier avancierte in den 20er und 30er zum Modehund. Die Lieblings-Wauwaus der 60er sind die Pudel und der Münchner Dackel Waldi das Maskottchen der Olympischen Spiele 1972. Es gibt sie im Bayerischen Nationalmuseum in Porzellan, als Comic, in Cartoons, Spielzeug, und als Schmuck. Zu sehen zum Beispiel die Pudelbrosche von Cartier, die Fürst Rainier III von Monaco Grace Kelly zur Geburt des Thronfolgers Albert im Jahr 1958 schenkte. Oder als Stofftiere.

Apropos Stofftier: Wir haben übrigens einen Cockerpoo, der eine lustige Mischung aus Pudel und Cockerspaniel ist und der verblüffend nach Schaf und Stofftier aussieht. Das verkreuzen der Rassen mit Pudel ist auch so eine Mode. Da die Hunde übrigens nicht haaren, sind sie gut für Allergiker, die gerne einen robusten Wander-und anhänglichen Familienhund lieben.

Wie nah lässt du Hunde in dein Leben?

2018 wurden in Bayern 704 Menschen und 577 Tiere durch Hundebisse verletzt. Aggressiver Vierbeiner, falsche Erziehung, überforderte Hundehalter und verdreckte Grünanlagen werfen auch ein weniger romantisches Bild auf Hunde. Ich bezweifle, dass Thomas Mann die Häufchen von Bauschan entsorgt hat. Hunde brauchen Regeln und eine Haltung, die ihrem Naturell entspricht. Kommen mir Hund und Halter entgegen, schaue ich mir beide an, um die Situation besser einzuschätzen. Wo viele Hunde, braucht es Feingefühl im Umgang und für ein gutes Miteinander. Das wünsche ich mir als Hundehalter.

Unser Fazit zur Ausstellung : Erfahrenswert!

Von den Ausstellungsmachern hat nur ein Teil einen eigenen Hund. Wie sich erfahren lässt, kann man die Beziehung zwischen Mensch und Tier aus unterschiedlichen und noch viel mehr Blickwinkeln betrachten. Auch ohne selbst Hundehalter zu sein, macht die Ausstellung „Treue Freunde“ im Bayerischen Nationalmuseum enorme Freude, weil sie – mal mehr oder weniger – emotional ist und die Meisten doch irgendeine positive Erinnerung mit Hunden verbindet.

Gelegenheit für einen Besuch ist noch bis zum 19. April 2020.

Besucherinformationen Bayerisches Nationalmuseum

Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstraße 3
80538 München
www.bayerisches-nationalmuseum.de

Erwachsene 12 Euro
Ermäßigt  8 Euro
Im Eintrittspreise enthalten ist die kostenlose Nutzung des Mulitmediaguides.
Sonntags und bei freiem Eintritt wird eine Gebühr von 2 Euro erhoben.

Freier Eintritt für Mitglieder und Besucher bis zum vollendeten 18. Lebensjahr
Bitte beachten Sie, dass der ermäßigte Sonntagseintritt NICHT für die Sonderausstellung gültig ist!!!

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