Amper-Rundwanderung: Von Olching über Emmering -Roggenstein

(Wanderung 4, 8 oder 11,4 Kilometer) Aus der Luft betrachtet, ist die Gegend zwischen Olching, Emmering im Süden, sowie Eichenau und Gröbenzell ein zersiedelter Flickenteppich. Zwischen den S-Bahnen nach Fürstenfeldbruck und Mammendorf sind die Orte im westlichen Speckgürtel von München auf Tuchfühlung zusammengewachsen. Aber nicht täuschen lassen, dazwischen gibt es jede Menge Natur und Spannendes aus der Geschichte zu entdecken, die einen Besuch empfehlenswert und überraschend machen. Unsere Wanderung schlägt von Olching einen Bogen. Zuerst entlang der Amper nach Süden und zurück über die Emmeringer Leite und das Landschaftsschutzgebiet „Untere Amper“ durchquerend.

Das erwartet euch auf der Rundwanderung von Olching

  • Unkomplizierte Anfahrt mit der S-Bahn nach Olching. Allerdings sind für zusätzlich 1,6 Kilometer Wegstrecke für den Hin- und Rückweg durch den Ort hinzuzurechnen.
  • Erlebt in Olching den Vogelpark, der direkt auf dem Weg liegt und bei ausreichender Zeitplanung ohne Weiteres in die Tour integriert werden kann. In den Amperauen zwischen Olching und Emmering sind zahlreiche schöne und ruhige Flussansichten zu erleben. Von der Emmeringer Leite habt ihr einen schönen Blick nach Westen. Der Hauch der Geschichte umweht euch beim Burgstall Roggenstein. Kurios wirkt das Brückenrelikt des Eisenbahn-Nordrings von 1939.
  • Einfache Wanderung, die sich je nach Kondition und Laune unterschiedlich lang gestalten lässt. Die vorgestellte Runde beträgt 11,3 Kilometer. Die Wege verlaufen außerorts vorwiegend auf gut gangbaren Naturwegen. In Emmering kommt man allerdings um eine Ortsdurchquerung nicht herum. Die muss man etwa auf 1000 Metern wegstecken. Mit 40 Höhenmetern stellt die Emmeringer Leiter keine allzugroße Anforderung auch an ungeübte Wanderer.
  • Nur 4 Kilometer ist die Tour, wenn ihr von Olching nach Esting an der Amper entlang und zurück spaziert. Wer öffentlich unterwegs ist, kann 8 Kilometer nach Eichenau wandern und von dort die Rückfahrt antreten.
  • Einkehrmöglichkeiten gibt es im Biergarten Amperlust am Anfang der Wanderung bei Olching. Wer unterwegs Hunger bekommt, sollte eine Brotzeit dabei haben.

Anfahrt nach Olching mit Auto oder S-Bahn

Anfahrt mit dem Auto: Zum Beispiel über die Autobahn A8 und die Ausfahrt 78, Richtung Fürstenfeldbruck. Weiter über Neu-Esting nach Olching. Parkplätze findet ihr am Volksfestplatz in der Toni-März-Straße.

Anfahrt mit der S-Bahn: Mit der S3 dauert die Fahrt vom Hauptbahnhof München zum Bahnhof Olching etwa 26 Minuten. Zum Volksfestplatz gehts am schnellsten durch das Ortszentrum über die Hauptstraße bis zum Kreisverkehr. Dort rechts zum Volksfestplatz abbiegen. Schöner, dafür einen Tick länger gehts auf dem westlichen Mühlbach-Ufer nach Süden. Am Bahnhof nach Westen gehen (Hauptstraße überqueren).

Von Olching der Amper flussaufwärts nach Emmering gewandert

  • Wir starten unsere Tour am Volksfestplatz Olching, den wir zunächst queren und über eine kleine Brücke im Westen verlassen. Das Schild vom Vogelpark Olching weist uns den Weg. Erster Blick auf die Amper, die hier erstaunlich wenig Wasser hat, weil ein Großteil davon ein Stück weiter im Süden in den Mühlbach/Amperkanal abgezweigt wird. Links der Eingang in den Vogelpark. Wir folgen dem Fußweg flussaufwärts durch die Amperau bis zur Fußgängerbrücke in 800 Metern.

Vogelpark Olching

Der Vogelpark Olching ist eine gemeinnützige Einrichtung des Vogelliebhabervereins Olching und Umgebung e.V., welche seit 1982 für Besucher geöffnet ist. Der Park in den Amperauen ist 20.000 Quadratmeter groß, wovon 7.000 zugänglich sind. Die Vogelsammlung ist die Größte im Raum München. 150 Arten können in möglichst naturnaher Haltung beobachtet werden. Hier werden nicht nur exotische Vogelarten gezüchtet, sondern auch Lebensraum für heimische Vögel geschaffen.

Im Park können regelmäßig Schwanzmeisen, Grünspechte, Weidenlaubsänger, Kleiber oder Eisvögel  beobachtet werden. Auch haben Störche, Gelbkopfgeier, Emus, Kraniche, Kakadus, Pelikane, Papageien und Eulen hier ein Hause.

  • Adresse: Toni-März-Straße 1 , 82140 Olching
  • Eintrittspreise für Erwachsene 5,00 € / Kinder von 4 – 14 Jahre 3,00 €
  • Website Vogelpark
  • Über die Fußgängerbrücke wechseln wir die Uferseite, um dem Flussverlauf ca. einen Kilometer zu folgen. Wäre nicht Corona, hätten wir vielleicht im nahen Biergarten „Amperlust“ eine frühe Pause eingelegt. So liegt das Gasthaus verlassen direkt neben dem Gewässer. Nix ist mit Einkehr. Spaziergängern begegnen wir nur wenigen, dafür einigen Fahrradfahrern. Der Fluss hat sich in die Böschung gefressen, was ihn als Wolf im Schafspelz wirken lässt, so zahm, wie er heute plätschert. Auf halber Wegstrecke eine Schleuse. Hier wird also das Wasser zur Stromerzeugung abgezweigt.
  • An der Amperbrücke von Esting nutzen wir die Gelegenheit, um auf die Ostseite des Flusses zurück zu wechseln. Der Weg verläuft gleich am Wasser rechts des Ufers durch naturnahe Auwälder und Wiesen. Nach 1,3 Kilometer blitzen auf dem gegenüberliegendem Ufer die weißen Fronten von Wohnwägen der Freie Sportgemeinschaft Amperland e. V. auf. Hier machen registrierte FKK Mitglieder auf 17 ha Urlaub. Also nicht wundern, wenn selbst im Herbst ein hartgesottener Naturist auf dem Stand-up-Paddle nackert seine Bahn zieht.
  • Wenig später tauchen links die Siedlungshäuser von Emmering auf. Bevor der Weg sich wieder der Amper zuwendet, nehmen wir den nächsten kerzengerade auf Emmering zulaufenden Feldweg (siehe Foto). Die gleichnamige „Leite“ sehen wir als bewaldeten Höhenzug im Süden. Um dorthin zu gelangen, kreuzen wir den Ort zunächst auf dem Riedernweg. An der Roggensteiner Straße (Durchgangsstraße) gehts zunächst 150 Meter nach links (Osten), dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf der Dr. Rank Straße nach Süden. Die Bahnlinie wird nach 400 Meter gekreuzt.

Auf der anderen Bahnseite lag einst die Aluminium-Sekundärhütte „Reginawerk“. Wo heute Autos zwischen gelagert sind, wurden bis etwa 1951 auf dem Gelände Bahnschwellen und Schalungsmaterial mit Teeröl bzw. bituminösen Stoffen imprägniert, danach Aluminiumschrott bis zum Konkurs im Sommer 1990 wiederaufbereitet. Immer wieder kam es zu Umweltumfällen. Die Dekontamination erfolgte zwischen 2001 und 2002.

  • Die Reginawerkstraße beschreibt am verwahrlosten Betriebsgelände einen Linksbogen. Nach 400 Metern biegt rechts ein Waldweg mit dem netten Namen „Zwuzelweg“ rechts zur Leite hoch (links halten). Weiter 321 Meter den Hang hinauf. An der Wegkreuzung links abbiegen und 500 Meter nach Nordosten wandern, wo euch ein schöner Blick erwartet. Das Versuchsgut Roggenstein – die größte landwirtschaftliche Einrichtung der Technischen Universität München – ist am Mobilfunkmast flott erreicht. Dahinter der Burgstall mit der Kapelle St. Georg.

Burgstall Roggenstein mit der Kapelle St. Georg

Auch wenn Burgstall eine Burg bezeichnet von der weniger erhalten ist als eine Ruine, gibt es auf dem ehemaligen Festungsareal einiges zu sehen. Während der tiefe Halsgraben das dreieckige Burgplateau vom eiszeitlichen Moränenzuges abtrennt, teilt ein zweiter Graben das Gelände mit der ehemaligen Burgkapelle St. Georg im Norden. Das gotische Kirchlein mit seinen wertvollen Wandmalereien entstand um 1500. Sein Ursprung und das der Burg reicht vermutlich noch sehr viel weiter als zur ersten urkundlichen Erwähnung 14. Jahrhundert zurück.

So rätselhaft wie die Geschichte der Burg ist auch ein Erdstall, der hier unterirdisch 100 Meter von Nord- nach Süden verläuft. Angelegt wurde der unterirdische Gang vermutlich im Spätmittelalter. Man vermutet, dass er bis zum 30jährigen Krieg als Versteck und im Alltag als Kellerräume genutzt wurde. 1964 war bei Sandgrabung eine Begehung letztmals möglich. Fotos und Pläne des der Begehung findet ihr hier.  Die Eingänge wurden danach zugeschüttet.

Von Roggenstein zurück nach Olching gewandert

  • Nehmt den Weg rechts oder links am Versuchsgut vorbei nach Norden und unter der Bahnlinie hindurch. Die „Kletterbrücke“ erreicht ihr 250 Meter links auf dem Fußweg der Roggensteiner-Straße entlang nach Osten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite führt ein Fußpfad 100 Meter nach Nordosten.

Münchner Nordring Abzweigung Steinwerk

Der Münchner Nordring ist die Eisenbahnumgehung von München, die vorwiegend von Güterzügen genutzt wird. Im zweiten Weltkrieg war die Streckenführung bedeutend länger als heute. Die Abzweigung Steinwerk führte im Westen von der heutigen S-Bahnstrecke zwischen Fürstenfeldbruck und Eichenau nach Olching. Im Osten gab es eine Verlängerung durchs Johanneskirchner Moos nach Feldkirchen. Beide Streckenabschnitte wurden 1949 rückgebaut. Die Schienen und Schwellen konnten im vom Kriegsschäden betroffenen Bahnnetz woanders besser verwendet werden.

Die Streckenführung ist noch heute gut erkennbar, auch wenn keine Gleise mehr liegen. Besonders ist der versteckte Brückenkörper von 1939 für die Straße nach Eichenau und Olching. Nutzlos steht er da, weil die Straße aber nie gebaut wurde. Obwohl … Der Beton ist heute Sprühfläche für Graffitis, die Wand Herausforderung von Kletterern, die hier verschiedene Routen gelegt haben. Die Schwierigkeitsgrade bewegen sich zwischen 5 und 9+.

  • Wir folgen 500 Meter der ehemaligen Bahntrasse bis zur Brücke über den Starzelbach. Diesen 1,6 Kilometer dem Naturweg nach Nordosten folgen (links Richtung Olching abbiegen). An der Staatsstraße auf dem Fußweg 60 Meter nach rechts wandern, dann bei nächster Gelegenheit wieder links abbiegen. Schon bald ist die Amper erreicht, dessen Ufer wir bis zur Schleuse folgen und dort den Amperkanal/Mühlbach queren.
  • Unseren Ausgangspunkt am Volksfestplatz erreichen wir auf dem Weg linkerhand des Mühlbachs. Nach 450 Meter, wo der Kanal einen sanften Rechtsknick beschreibt, geht’s geradeaus weiter durch die Amperau. Vorbei am MSV-Olching und dem Motorsport-Club Olching ist das Ziel nach knapp 600 Metern erreicht.

Wanderkarte Amper bei Olching

Noch mehr Amper-Lieblingswanderungen

Die Amper ist vielseitig. Wir haben die Amper kennengelernt, von der Moränenlandschaft im Süden, bis zur Auenlandschaft in der Münchner Schotterebene. Außerdem gibt es entlang der des Flusses jede Menge zu entdecken. Schon seit vorgeschichtlicher Zeit war das Land rechts und links des Flusses Siedlungsgebiet. Seid gespannt.