Rundwanderung von Deisenhofen übers Gleißental nach Kreuzpullach

(Länge 5,8 oder 10,5 Kilometer) Nachdem die letzte Wanderung gleich am Morgen so enstappt war, wollte ich dies wiederholen. Der entscheidende Vorteil: Noch vor der Einladung zum Mittagessen war man draussen und konnte einem voraussichtlich gemütlichen Nachmittag gelassen entgegensehen. Voraussetzung : eine Runde in der näheren Umgebung. Motivation: Eine neue, spannende Spaziergang-Variante von 10.5 km durch das Gleißental. Der Start: mitten in Deisenhofen. Immer wieder willkommene Stops: zwei Keltenschanzen und die Römerstrasse „Via Julia“.

Wenn Pelle beobachtet, dass es rausgeht gibts kein Halten mehr. Er liebt den gemeinsamen Auslauf genau so wie ich. Und zugegeben ohne ihn wäre es nur halb so schön. So auch heute.

Losgewandert am Hubertuspl. 1, 82041 Oberhaching

Das Auto parkte ich nahe dem „Wagner-Hof“, einem historischen Bauernanwesen mit schöner Hanglage am Vorderen Gleißental. Zentral gelegen und fast in Rufweite zur Eisdiele das Dolce Vita. Die ist eigentlich nur relevant, um die Kinder mit je zwei Kugeln Gelato für tolle Laufleistung zu belohnen. Ich gehe zuerst zum „Weißbräu“ und von hier östlich links den Weg, am Wagnerhaus vorbei, der hinunter ins Gleißental führt.

Wagner-Hof in 360°: Rübestreichen und mehr sehen

Von Hell nach Dunkel nach Hell

Das Gleißental ist in der Deisenhofener Dorfsmitte eher eine sanftes Tal mit schönen Häusern zu beiden Seiten der Hänge. Das Gleißental entstand lt. Wikipedia „infolge des Abflusses des Schmelzwassers des Isar-Loisach-Gletschers“. Es ist „eine glaziale Abflussrinne des damaligen Eglinger Gletscherfingers, der wiederum aus dem Wolfratshausener Glazialbecken stammte“. Nur wenige hundert Meter südlicher unseres Startpunktes entspingt der Hachinger Bach, den ich noch am Samstag bei seinem leisen Abschied in den Aschheimer Abfanggraben begleitet habe. Wer will, kann in einer der Parkbuchten bei der Metzgerei Hofberger in der Tisinstraße parken und am Ursprung vorbei schauen. Da der Grundwasserstand stark schwankt, gibt es keine eindeutige Quelle. Vorsicht Mogelei: Damit der Bach nicht ganz austrocknet, wird neben einem Parkweg Grundwasser in den Bach geleitet.

Der Weg welchen wir nach Süden folgen ist kurzweilig. Ich gucke in die Gärten und stelle mir vor, dass ich dort eines Tages wohne (was natürlich quatsch ist, weil sich die Immobilienmakler überbieten werden, den solventesten Käufer ranzuschleppen). Kurz nach dem Spielplatz sieht es beinahe aus, als wenn hier Schluß ist. Die Hänge sind höher, bewaldet und der Bahndamm sperrt wie ein rießiger Riegel das Tal ab. Wenn da nicht dieser tolle Tunnel wäre! Dahinter das Tal, dem man bis zum Deininger Weiher folgen könnte.
In unmittelbarer Umgebung locken zwei interessante Bodendenkmäler:

Keltenschanze bei Deisenhofen

Die meisten bayerischen Viereckschanzen stammen aus der Latènezeit von ewa 200 Jahre vor bis Christi Geburt. Besonders die Schanze gleich links oberhalb des Taleingangs vom Gleißental (vom Tunnel aus) ist spannend. Sie ist eine sogenannte Mehrfachschanze der späten Latènezeit, bei der die Schanzen nebeneinander liegen und sich zum Teil Wälle und Gräben teilen oder von einer Wallanlage eingeschlossen werden.

Spannend finde ich die Erklärung auf der Website von Alpiticus, dass „Sobald ein Gebiet als heilig eingestuft wurde, dort ein Versammlungsplatz errichtet werden durfte. Da diese ausgesuchten, „heiligen“ Gebiete nicht in unbegrenzter Zahl vorhanden waren, aber jeder Clan seinen eigenen Platz beanspruchte, wurden teilweise mehrere Versammlungsplätze in unmittelbarer Nähe errichtet. Jeder Platz gehörte also einem bestimmten Clan. Die unmittelbare Nachbarschaft von Schanzen ist auch dadurch zu erklären, dass diese Plätze auch „entweiht“ werden konnten. Sollte so ein Platz, durch irgendeinen Umstand entweiht worden sein, so durfte dieser Platz nicht mehr betreten werden. Man errichtete daher direkt neben der entweihten Schanze eine neue.“ Vielleicht hat das auch hier zugetroffen.
Die Keltenschanze im Laufzorner Holz, auf welche man beim Rückweg trifft, war lt. Infotafel eine abgegrenzte Kultstätte, in dessen Innern ein Holztempel stand. In tiefen Schächten wurden religiöse Handlungen zu Ehren einer der vielen Götter der Kelten vollzogen. Wenn da nicht sofort ein gruseliges Kopfkino startet…

Zurück in die Gletscher Abflussrinne. Nur ein kurzes Stück weiter quere ich bei der Oberleitung die Römerstraße, deren Verlauf man im Talboden noch sehr gut verfolgen kann. Und weil ich guter Dinge bin, lasse ich es mir nicht nehmen, noch einen Abstecher zu dem verwunschenen Hexentanzplatz zu machen.

Hexentanzplatz im Gleissental in 360° (Such Pelle!)

Vermutlich ein alter Steinbruch, der sich nur wenige Meter links der alten Römerstrasse in den Berghang duckt. Schön ist es hier, bizarr die Felsformationen. Eingewachsen im Wald ist der Platz magisch, besonders wenn man ihn alleine genießen kann.

Zurück zur Hochspannungsleitung und dem Wirtschaftsweg den Hang hinauf nach Osten folgend. Vor der Asphaltstraße sofort weiter dem Weg nach Süden folgen. Sollen die Autos doch auf der Suche nach Schnelligkeit auf den Damm rasen. Lieber Entschleunigung im Wald. Ich folge dem Weg bis er nach etwa 1,3 Km den Wald verläßt und ich über die Felder den kleinen Ort Kreuzpullach entdecke. Eigentlich besteht er nur aus einer Barockkirche, wenigen Bauernhöfen und dem imposanten Benefiziatenhaus in Altrosa.
Hier biege ich nach rechts auf die Teerstraße ab, der ich hinab ins Gleißental folge. Ab hier gehts durch das dicht bewaldete Einschnitt wieder zurück nach Norden. Wer abkürzen will geht ab hier einfach zurück bis nach Deisenhofen. Mir ist das zu kurz, weswegen ich ab dem Wasser-Sammelbecken links der Waldschneise in Nord-Westlicher-Richtung folge (zuerst kleiner Pfad den Hang hinauf). Schon nach 700 Metern begegne ich wieder der Hochspannungsleitung und der Via Julia. In unmittelbarer Nähe zur Römerstrasse befindet sich eine weitere, gut erhaltene Keltenschanze.

Via Julia: Von Lutetia nach Konstantinopel

Zu Zeiten des römischen Reichs war die Via Julia die Hauptverbindung zwischen den Provinzen Raetien (heutiges Bayern) und Norikum (ab östlich des Inns bis ins heutige Österreich und weiter nach Slowenien). Verknüpft wurden die Städte Augusta Vindilicorum (Augsburg) und Juvavum (Salzburg). Wer auf schnellsten Wege von Paris nach Konstantinopel wollte, kam an dieser Stelle vorbei.

„Die Strasse selbst bestand aus einem bekiesten Damm, der sich über einem Fundament aus Bruchsteinen wölbt“*. Kaum zu glauben, dass sich an diesem Feldweg einst Truppenbewegungen in beide Richtungen stattgefunden und Händler und Reisende für den Austausch von Waren und Informationen gesorgt haben. „Sie war später die einzige Verbindung zwischen dem Römischen West- und Ostreich und deshalb von besonderer Bedeutung*“  Quelle: Via Julia  / Fernradwanderweg.

Wiedersehen mit der Via Julia? Dann schau dir unserer Wanderung an,
„Mit Urwaldfeeling zum Georgenstein“.

Noch etwas weiter in nördlicher Richtung und den Weg zurück nach Deisenhofen folgen. Am Kindergarten rechts abbiegen und nördlich des Sägewerks (hoher Kamin) auf der Strasse rechts bis zum Bahnübergang gehen. Der Ortskern mit dem Auto und Eiscafé liegt zum Greifen nahe. (Detailweg in kleiner Orientierungshilfe beachten)

Fazit der Runde: Schön war sie und wert, dokumentiert zu werden. Sie war kurzweilig und durchaus abwechslungsreich. Aber urteilt selbst.

Kleine Orientierungshilfe

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Von Deisenhofen nach Kreuzpullach

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Parkplatz : 48.018876, 11.591381
Keltische Mehrfachschanze: 48.010310, 11.585791
Keltische Mehrfachschanze: 48.012463, 11.570663
Römerstrasse: 48.010324, 11.579912
Nagelfluhfelsen: 48.008315, 11.579311

Familienrunde

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GLEISSENTAL FAMILIENRUNDE

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HEXENTANZPLATZ: 48.008027, 11.579247
SPIELPLATZ: 48.012635, 11.588988
EISDIELE: 48.018093, 11.590523
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