Wanderung über Piusheim/Glonn nach Jakobsbaiern und Frauenbründl

(Wanderung 9,9 oder 5,23 Kilometer) Kennt ihr das schöne Gefühl, wenn die Erwartungen plötzlich und überraschend übererfüllt werden? So ging’s uns neulich bei unserer Wanderung nach Jakobsbaiern. Zwischen Planung der Wanderung und Abfahrt lagen gerade mal 5 Minuten (die Eckdaten der Tour existierten bereits im Kopf). Besser als erhofft waren …

  • .. das sonnige und klare Wetter,
  • .. die häufigen wie tollen Ausblicke auf den Wendelstein,
  • .. die empfehlenswerte Einkehrmöglichkeit bei der Glonntaler Backkultur, die uns nicht bekannt war,
  • .. und eine insgesamt abwechslungsreiche Runde mit der ein oder anderen interessanten Sehenswürdigkeit.

Die Wege, auf denen wir unterwegs waren: Wald- und Feldwege und kleine geteerte Straßen mit wenig Verkehr. Kleine Steigung zwischen Piusheim und Jakobsbaiern.

Hinweis: Bei der längeren Runde queren wir unterwegs an einer Furt ein kleines Bächlein. Auch für Ungeübte sollte der kleine Sprung darüber kein Problem sein (siehe Bild unten). Bei Regenfall müsste dieser vermutlich etwas beherzter ausfallen.Wir haben uns gegen eine Umgehung dieser Stelle entschieden, da man ansonsten einen unnötigen und unschönen Umweg über eine doofe Teerstraße hätte nehmen müsste.

Losgewanders in Mattenhofen bei Glonn, N47° 58.284′ E11° 52.428′

Nur 800 Meter südlich von Glonn liegt Mattenhofen. Das kleine Bauerndorf mit seinen ca.70 Einwohnern oberhalb der Glonn ist unser Ausgangspunkt für die lange, als auch die kürzere Runde. Das Auto stellen wir in Nähe des kleinen Feuerwehrhauses ab und folgen einfach dem Weg weiter über die Felder. Im Osten sehen wir auf der anderen Seite der Glonn Hasslach, von wo wir später zurückkommen. Malerisch schlängelt sich das ungeteerte Straßerl 600 Meter bis zum Wald und weitere 800 durch ihn hindurch. Huflattich wächst an den Wegrändern. Der Frühling steht in den Startlöchern. Wir entdecken den ersten Löwenzahn des Jahres.

Auf der anderen Seite des Waldes winkt das Glonntal, das wie viele andere Täler in Oberbayern eine glaziale Abflussrinne ist, also ein Abfluss des Gletscherwassers. Etwa 26 Kilometer fließt die Glana, wie sie im keltischen genannt wurde bis nach Bad Aibling, wo sie in die Mangfall fließt.

Der Weg beschreibt eine Linksbognen. Bevor wir Piusheim erreichen, fesselt ein Backsteinbau unseren Blick. Tipptopp renoviert präsentiert sich das alte Wasserkraftwerk an der Glonn. Wir erreichen das Gemeinwesen nach wenigen Minuten.

Piusheim: Von der Erziehungsanstalt zum Modelldorf

1905 brach für den Ort eine neue Ära an. Der 1852 in München gegründete „Verein für Erziehung verwahrloster Jugend“ erwarb in diesem Jahr das Gut Obermühle, um eine Anstalt für die „verwahrloste und bestimmungslose“ Jugend zu gründen. Die „Zöglinge“ sollten hier Orientierung finden und handwerklich ausgebildet werden. Zwischen 1967 und 1971 wurde hier ein Jugenddorf errichtet. Über die damalige “Schwarze Pädagogik” und ihre recht drastischen Methoden kann man erschreckendes im „Heimkinderforum“ lesen. Das 1981 von der Katholische Jugendfürsorge der Erzdiözese München und Freising e.V. übernommene Heim wurde 2007 verkauft und hat mit der heutigen „Freien Schule Glonntal“ in Piusheim nichts zu tun.

Heute versucht die „Obermaier und Gerg Grundstücksverwaltung KG“ mit Blasius Gerg und Bernhard Obermaier eine Vielfalt an handwerklichen Betrieben in Piusheim zu beheimaten und nachhaltig zu bewirtschaften. Dazu hält auch die Erzeugung von eigenem Ökostrom.

Die “Glontaler Backkultur” kommt wie gerufen. Wir fragen uns, wie sich das nette Café bislang vor uns verstecken konnte. Unweit des alten Schulgebäudes und mit neuem Wintergarten, liegt es an einem kleinen Teich, der besonders im Sommer einen schönen Aufenthalt verspricht. Gitta und ich bestellen eine große Tasse Cappuccino mit einer Banane auf einem Teigboden, darüber Schokolade. Sowohl Cappuccino, als auch Gebäck sind von hoher Qualität und schmecken uns ausgezeichnet.

Glonntaler Backkultur

Das Cafe „Glonntaler Backkultur“ liegt im Zentrum von Piusheim malerisch an einem kleinen Teich. 2007 haben das Paar Antonia Weiß und Romeo Butic die stillgelegte Bäckerei neben der Schule übernommen und produzieren seitdem Kuchen Torten und Gebäck in Bio-Qualität. Das meiste Getreide stammt aus der Drax-Mühle bei Haag.

Glonntaler Backkultur: Das Cafe am See

Wer sich selbst einen Eindruck über das Bäckerhandwerk verschaffen möchte, kann das auch Montag bis Donnerstag beim Backstubenverkauf von 7:00 bis 13:00 Uhr. Der Eingang ist neben der freien Schule, nach dem Torbogen auf der linken Seite.

Glonntaler Backkultur

Adresse: Mühlenweg 5
85625 Baiern/Piusheim

Telefon: 08093 902561
Website Glonntaler Backkultur

1. Zurück mit der kurzen Wanderung:

Wer nach der Kaffepause wieder retour möchte, kann es auf dem gleichen Weg, oder an der Glonn entlang tun. Hierzu gehen wir über das Glonnbrückerl zurück. Weiter hinauf zum Waldrand und dort den Weg bis zur kleinen Teerstraße folgen, die uns den Hang hoch nach Mattenhofen bringt.

2. Weiter mit der langen Wanderung:

Unseren Weg setzten wie gestärkt südlich des Teiches in östlicher Richtung fort. Recht weit kommen wir nicht, da uns der modern klare Eingang von Elektrolyte anzieht. Obwohl Feiertag stehen die Türen offen. Erstaunlich, was saubere Architektur mit uns anstellt. Wie Enten hypnotisiert einer Brotkrumenspur folgen, stellen wir fest, dass wir plötzlich im Eingangsbereich stehen.

Vor uns schneidige Ebikes, die an Skulpturen erinnern. Präsentation ist die halbe Miete. Ganz reingetraut hätten wir uns heute ohne Aufforderung nicht, wir werden entdeckt und in den Showroom der „Traumradschiede“ eingeladen und bekommen die Fahrradmanufaktur gezeigt, die hier in Handarbeit hergestellt werden. Wenn die eBikes so gut fahren wie sie aussehen, sind sie interessant, zumindest wer das notwendige Kleingeld dafür hat.

Von Piusheim weiter nach Jakobsbaiern gewandert

Der Anrainerweg vor dem Haus führt uns aus Piusheim hinaus. Wir stoßen auf die Landstraße nach Jakobsbaiern, die zuerst nach Osten und am Waldhang nach Süden abbiegt. Da hier das ein oder andere Auto fährt, verbietet es sich hier den Hund oder die Kinder frei laufen zu lassen. Den Abzweiger hinauf zum einsamen Kirchturm erreicht man bereits nach ca. 300 Metern. Jakobsbaiern besteht aus nur wenigen Bauerngehöften und einer Schreinerei und befindet sich oberhalb des Glonntales. Für uns ist das ein kurzzeitiger Anstieg auf der Landstraße und etwa 40 Höhenmeter. Das Etappenziel, den Kirchturm, sehen wir rechts von uns oberhalb. Von dort und der Aussichtsbank am ehemaligen Friedhof genießen Gitta und ich nur kurze Zeit später einen wunderbaren Blick über das Glonntal auf die Berge. Hinter dem Turm aufgereiht ein paar alte Grabsteine. Der Ort hat etwas beruhigendes, da wir bislang das Glück hatten, ihn stets mit niemand anderem teilen zu müssen. Wer eine Brotzeit mitgebracht hat, wird feststellen, dass diese hier irgendwie besser schmeckt. Das kann am Panorama der Alpen liegen oder an der Magie des Ortes.

Der einsame Turm von Jakobsbaiern

Ohne Kirchenschiff steht heute nur noch der spitze Turm der einstigen Gemeindekirche über dem Glonntal. Eigentlich hatten die „Baierer“ beschlossen, das baufällig gewordene Gotteshaus zu renovieren, wofür 1902 ein Verein gegründet wurde, der Spendensammelaktionen wie z.B. Christbaumverkäufe organisierte. Zwischenzeitlich wurden die Gottesdienste in einer Notkirche im benachbarten Antholing durchgeführt. Weil für viele Gläubige leichter erreichbar, wurde aber nach einiger Zeit beschlossen, die Renovierungspläne zu Gunsten eines Kirchen Neubaus in Antholing zu ändern. Den verbleibenden Kirchturm verdanken wir einer großzügigen Einzelspende.

Blick über das Glonntal nach Großhöhenrain

Von Jakobsbaiern zum Frauenbründl gewandert

Zurück auf der Straße, gehen wir zunächst wieder einige Meter zurück und biegen bei dem Hühner Freilaufgehege rechts in den Feldweg ein. Klassische Musik dringt leise aus den Ställen heraus. Als Orientierung dient uns der mächtige alleinstehende Baum, dessen Äste das Feldkreuz überspannen. Nicht ohne Grund steht hier die Landmarke, denn von der sanften Erhöhung sehen wir das nahe Antholing mit dem “Kirchenneubau” und weiter die Chiemgauer Berge im Osten.

Wir folgen dem Weg weiter nach Norden und an der kommenden Gabelung nach Westen, beinahe wieder hinunter ins Glonntal. Den nächsten Abzweiger haben Gitta und ich genutzt, um im Hangwald 200 Meter weiter auf dem Forstweg Richtung Frauenbründl einzubiegen. Nach 500 Meter heißt es springen, zumindest nur kurz, da wir den kleinen Bachlauf kreuzen. Mehr als 70 Zentimeter sollten es nicht sein, sofern man sich nicht die Sohlen nass machen möchte (siehe Bild). Nach einem Gewitter wird der Sprung wohl weiter ausfallen müssen. 

Auf der anderen Seite stoßen wir auf einen Weg, dessen Verlauf wir zuerst nach Osten, dann nach der Linkskurve leicht hangaufwärts nach Norden gehen. Das Frauenbründl ist nicht mehr weit. An der nächsten Kehre bleiben wir dem Hangverlauf treu, biegen aber auf einen Fußpfad ein, der uns nach 300 Meter zur Wallfahrtskapelle bringt. Nicht unterwegs links abbiegen?

Frauenbründl

Die Geschichte der Kapelle „Frauenbründl“ geht auf das Pestjahr 1635, kurz nach dem Einfall der Schweden zurück. Die Bewohner von Berganger (1,7 Kilometer nordöstlich) wollten sich damit bedanken, dass sie vom Krieg und der Pest verschont wurden, die im benachbarten Glonn erst 70 Menschen und dann weitere 100 Menschen das Leben gekostet hat.

Die der heiligen Mutter Gottes geweihte Wallfahrtskapelle wurde über einer Quelle mit „rechtsdrehendem Wasser“ gebaut, dem Heilkraft nachgesagt wurde. Unter „rechtsdrehend“ wird die Drehrichtung der Rotation des Elektronenspins des Wasserstoffatoms bezeichnet, die eine positive Eigenschaft auf biologische Systeme haben soll. Auch bei unserem Besuch wurde gerade Wasser abgezapft, welches offiziell als „kein Trinkwasser“ deklariert wird. Placebowasser?

Über Weiterskirchen, Haslach zurück nach Mattenhofen

Hinter dem Frauenbründl bringt uns der Kreuzweg in umgekehrter Reihenfolge zur Straße nach Weiterskichen. Von hier habt ihr zwei Wegoptionen:

  1. Wegoption: Ihr folgt der Straße 500 Meter nordöstlich nach Weiterskirchen. Im Weiler biegt ihr links in die Straße nach Hasslach ab. Den Ort erreicht ihr nach 1,4 Kilometer.
  2. Wegoption: Gegenüber dem Parkplatz führt ein Feldweg nach Nordwesten bis zu einer Scheune. Aber Obacht, es gibt zwischen dem Weg und Hasslach keine durchgängige Verbindung. Wenn es die Nutzung der Wiese zulässt (keine Zäune, andere Nutzung als Feld), könnt ihr von der Scheune ohne Pfad 100 Meter nach Westen gehen, um dort auf einen Wiesenweg weiter nach Hasslach zu kommen.

Vom Ortseingang von Hasslach schreiten Gitta und ich auf der Frauenbründlstraße, vorbei an der Kirche und hinunter ins Glonntal (nicht gleich rechts hinunter ins Seitental gehen). Unseren Ausgangspunkt Mattenhofen sehen wir bereits auf der anderen Hangseite. Im Zick-Zack durchqueren wir das Glonntal, tanken unterwegs Sonne, blicken nach Piusheim und schließen die heutige Runde.

Schön!

Kleine Orientierungshilfe

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Kleine Piusheimrunde, 5,2 Kilometer

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Parkplatz: 47.958203, 11.895930
Kirchturm und Aussichtpunkt: 47.951701, 11.905038
Frauenbründl: 47.965776, 11.902699
Kirchturm und Aussichtpunkt: 47.951701, 11.905038
Kirchturm und Aussichtpunkt: 47.951701, 11.905038
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Piusheimrunde 10 Kilometer

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Frauenbründl: 47.965776, 11.902699
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Kirchturm und Aussichtpunkt: 47.951701, 11.905038
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