Im Buchcheck: „Dutch Oven Winterrezepte“

Die Autoren der „Dutch Oven Fibel XXL“ Anke und Manuel Schultz haben rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2016 ein Hard-Cover-Kochbuch mit Winterrezepten herausgegeben. Das Versprechen: „Mit diesem Buch zauberst du dir viele bleibende Erinnerungen an einen schönen Winter!“

Insgesamt fällt mein Fazit für „Dutch Oven Winterrezepte“ leider etwas unterkühlt aus, was nicht am Thema selbst, sondern am Buch liegt.

Aufmachung und erster Eindruck

Das stimmungsvolle Cover wirkt professionell gestaltet, was sich im Buchinneren nicht weiter fortsetzt. Ist das professionelle Titelfoto bei einer Bilddatenbank gekauft worden, haben die Autoren offensichtlich den Rest der Fotos selbst „geschossen“. Leider qualitativ unterdurchschnittlich (häufig unscharf, schlecht ausgeleuchtet, wenig ansprechende Präsentation der Gerichte) wurden meine Erwartungen an inspirierende Dutch-Oven Winterkoch-Szenarien nicht erfüllt.

Auch das Layout wirkt semiprofessionell (Einrückungen/Absätze). Der Rezeptteil ab Seite 89 folgt einem eigenen Gestaltungsraster.

Was für Infos wir im Buch „Dutch Oven Winterrezepte“ finden

Neben etwas unsinnigen Gründen weswegen man im Winter Dopfen sollte (z.B. weniger Pollen) und Lifehacks für den Winter (Mütze im Winter tragen, da man über den Kopf viel Wärme verlieren kann) ist der Einführungsteil über das Zubehör nahezu mit dem Inhalt ihrer Dutch Oven Fibel identisch (auch die Fotos, die jetzt aber in Farbe sind).

Wenige handfeste Informationen zum Dopfen im Winter

Über die Eigenheiten des Winterdopfens nehmen die Autoren lediglich im Kapitel „Was du beim Kochen mit Rezepten beachten solltest“ in der kurzen Erwähnung Bezug, dass „Wind und Kälte auf die Temperatur (im Dopf) Einfluss haben“. Hier hätte ich gerne mehr vom Expertenwissen der Autoren gelernt.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass je nach verwendeten Dutch Oven und Gericht  im Winter schon mal bis 30 %  länger für die Zubereitung der Gerichte brauchen kann. Besonders, wenn ein leichter Wind geht und ein hoher Topf eine größere Angriffsfläche bietet. Das hat meist die Folge, dass man häufiger Kohle bei Gerichten mit langer Garzeit nachlegen muss (z.B. Rinderschmorbraten). Also rechtzeitig für den Nachschub „frischer“ Briketts und vor allem für Windschutz sorgen und die Auswahl der richtigen Kohlen beachten.

Gute Rezepte aber schlampig sortiert

Es folgt eine Auflistung besonderer Tage im Winter, dem jeweils ein Rezept zugeordnet ist. Der Tag des Nobelpreises wäre bestimmt ein Grund gewesen wäre, eine junge Ente auf Möhren zu machen. 😉

Im Rezept-Teil selbst bleibt man zum Vorgängerbuch weitgehend überschneidungsfrei. Untergliedert werden die Kochanleitungen in die Bereiche: „Fleisch“, „Fisch“, „Gemüse und Beilagen“, „Suppen und Eintöpfe“, „Nachspeisen und Kuchen“, „Brote“ und „Sonstige Rezepte“. Entsprechend der kalten Jahreszeit wird inhaltlich den „Suppen und Eintöpfe“ der meiste Umfang eingeräumt. Deftiges steht süßen Rezepten gegenüber, die häufig mit Apfel oder Birnen verfeinert werden. Lecker.

Leider sind die einzelnen Kochabfolgen nicht unterteilt, was das Nachkochen etwas schwierig macht, da die Inhalte als längere Textblöcke angeordnet sind. Die letzte Textstelle zu suchen wird dadurch unnötig erschwert.

Eine Vorab-Grobinformation wie lange die Gerichte dauern wäre – besonders die Anfänger des Dopfens – hilfreich. Diese Details aus dem Fließtextblock unter „Zubereitung“ rauszulesen und hochzurechnen ist unnötig kompliziert. Nebenbei. Ich bin überzeugt, dass jeder der mit dem Dutch Oven kocht schon mal eine erwartungsvolle Gesellschaft am Tisch sitzen hatte, die auf das Essen wartet. Problem war in fast allen Fällen eine falsche Zeitplanung (Anheizen/Garen), was im Winter sogar noch schwieriger ist, vorherzuplanen.

Eine Unterscheidung von herkömmlichen Rezeptbeschreibungen findet in der Anordnung der Kohlen statt (Anordnung auf den Deckel und unter dem Topf).

Das Auffinden von Rezepten wird in dieser Ausgabe durch ein alphabetisches Sachregister erleichtert. Die „Deftige Pilzsuppe“ hätte ich allerdings nicht bei „D“ sondern „P“ und „Ein-Linsen Eintopf“ nicht bei „E“ vermutet.

Fazit: Braucht man nicht unbedingt

Wer sich vorwiegend für winterliche Rezepte begeistert, wird mit diesem Buch bestimmt anständig bedient. Die Auswahl der Gerichte ist entsprechend der kalten Jahreszeit gut ausgewählt.

Was man nicht sehen soll, kommt einfach hinter die Sternendecke 😉

Lust aufs Dopfen im Winter macht das Buch aber nicht wirklich. Wer das Wintergrillbuch von Weber im Kopf hat, wird enttäuscht sein, denn dieses Werk wirkt eher wie eine private Rezeptsammlung, was okay wäre, würde sich das Buch mit seinem Titelbild nicht in eine andere Kochbuchliga mogeln wollen. Die Bilder im Buch sind „selfmade“ und kein Vergleich zum Titelbild, das aus der Fotalia Bilddatenbank stammt.

Ein normales Rezeptbuch leistet nahezu das Gleiche, sofern man bereits andere Bücher mit einer Einführung ins Dopfen hat und sich keine Anlässe dafür suchen muss. Hinweise, worin sich fachlich das Dopfen im Winter von anderen Jahreszeiten unterscheidet, findet man nicht, außer, dass man sich zum Kälteschutz Pappe unter den Schuh legen soll (Lifehack). Dafür ist der Preis von 17,95 € stattlich. Insgesamt ist „Dutch Oven Winterrezepte“ kein „Must-have“ in meiner Dutch Oven Kochbuchsammlung :-(.

  • Dutch Oven Winterrezepte –  Passende Rezepte für 89 Wintertage
  • Farbabbildungen
  • Autoren: Anke und Manuel Schultz
  • Preis 17,95 €
  • Hardcover /  176 Seiten
  • ISBN-10: 3000543457
  • ISBN-13: 978-3000543456
  • Größe und/oder Gewicht: 23,2 x 16,7 x 2,8 cm
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