Moore, Moose und Fuizn rund um München entdecken

Besonders im südlichen Oberbayern prägten einst Moore in besonderer Weise die Landschaft. Nach dem Rückgang der Gletscher entstanden nach der Eiszeit vor den Alpen riesige Seen, die langsam ausliefen oder teils verlandeten. Die Moore, auf bayrisch „Fuizn“ genannt, entstanden aus der Vegetation, wo der Untergrund lehmhaltig war und das Wasser nicht vollständig ausgetrocknet ist. Heute muss man schon wissen, wo man echtes Moosfeeling erleben kann. Dafür müsst ihr nicht unbedingt weit ins Umland fahren, um tolle Pflanzen und Tieren zu erleben. Viele sind sogar ganz nahe. Für die schönsten Mooserlebnisse solltet ihr allerdings schon ein Auto haben.

Moosschwaiger Weiher bei der Aubinger Lohe

Karte wird geladen, bitte warten...

Schützenswert: Besucht das Moor nur mit der richtigen Einstellung

Moore & Moose sind absolut sensible Habitate, die Besucher nur schadlos überstehen, wenn sie mit dem nötigen Respekt behandelt werden. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch ich will es an dieser Stelle lieber noch mal erwähnen. Unachtsames Verhalten hat ernste Auswirkungen auf das Ökosystem. Zum Beispiel, weil Torfmoos ein wichtiger Wasserspeicher in der Landschaft ist, Torf bildet und viel CO2 speichert. Wird es jedoch zertreten, verfault es schon an der Oberfläche.

Fünf Verhaltensregeln für Euren Besuch im Naturschutzgebiet:

  1. Müll bitte ausnahmslos nach Hause mitnehmen.
  2. Unbedingt auf den beschriebenen Wegen bleiben und keine eigenen Trails und Abkürzungen fräsen.
  3. Hunde im Naturschutzgebiet an die Leine nehmen.
  4. Sich unterwegs ruhig und achtsam verhalten, sodass die Natur nicht gestört wird.
  5. Nichts pflücken oder abreißen. Lieber ein schönes Foto für die Erinnerung machen!

Murnauer Moos und Langer Filz

  • Das Murnauer Moos ist mit 32 km² das größte zusammenhängende naturnah erhaltene Moorgebiet Mitteleuropas. Auch wenn es stark von der Landwirtschaft geprägt ist, sind hier 964 Pflanzenarten zu entdecken, was für die hohe Qualität des der Gegend spricht. Highlight ist der etwa 1000 Meter lange Bohlenweg durchs Langer Filz, der Euch dieses wunderbare naturbelassene Habitat hautnah erleben lässt. Seit 2019 gibt es die „Biologische Station“ nahe dem Parkplatz an der Rahmsach Straße bei Murnau. Hier könnt ihr Euch über die Natur und den Naturschutz im Moos informieren.
  • Wandertipp: (2,3 oder 12,5 Kilometer), auf den SpurenBlauen Reiters Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter. Von Murnau aus lässt sich das Moos auf hervorragenden Wanderwegen in einem großzügigen Bogen durchwandern.

Zur Wanderung durchs Murnauer Moos zum Langer Filz

Spatenbräu-Filz bei Thanning / Münchner Süden

  • Das Spatenbräufilz bei Thanning ist ein Hoochmoor, in dem bis in die 60 Jahre Torf abgebaut wurde und das in den Neunzigerjahren renaturiert wurde, um das degenerierte Filz vor der totalen Austrocknung und Bewaldung zu bewahren. Den Raubbau an der Natur entdecken nur noch geschulte Blicke, denn recht schnell hat sich wieder hochmoorspezifische Flora und Fauna angesiedelt. Wer Libellen entdecken will, ist hier richtig, denn im Sommer und mit etwas Zeit lassen sie sich hier toll beobachten und fotografieren. Wer will, kann im nahen Mooshamer Weiher im Sommer einen Schwumm wagen
  • Wandertipp: Rundtour für einen knappen Nachmittag zum Spatenbräufilz und Umrundung der Thanninger Weiher. Länge 10,5 Kilometer.

Wanderung von den Thanninger Weiher zum Spatenbräu-Filz

Sterntaler Filze bei Bad Feilnbach

  • Das Sterntaler Filz bei Bad Feilnbach ist eines der größten Moorkomplexe in Süddeutschland. Kaum vorstellbar, dass vor 20.000 Jahren diese Gegend vom riesigen Inngletscher so hoch bedeckt war, dass nur die Spitze des Wendelsteins herausragte. 130 Jahre lang wurde hier bis 2005 Torfabbau durchgeführt und von 2005 bis 2010 aufwendige Renaturisierungsmaßnahmen durchgeführt. Durch das Sterntaler Filze führen 650 Meter Bohlenwege. Es gibt hier einen Wurzelkletterhügel, Balancierbäume und Picknick- oder Wolkenbeobachtungstationen gebaut. Sogar ein Bademoor gibt es. Von einer Vogelbeobachtungsstation kann man weit in das wiedervernässe Filze blicken.
  • Wandertipp: Schöne Generationenwanderung, 5,7 oder 2,7 Kilometer. Eher ein Spaziergang, anspruchsvolle Tour. Dafür aber sehr genussreich.

Wanderung nahe Bad Feilbach zu den Sterntaler Filze

Nicklheimer-und Koller-Filze bei Bad Feilnbach / Raubling

  • Die Nicklheimer-Filze ist nur wenige Kilometer vom Sterntaler-Filze entfernt. Nach Erschließung des Kollerfilz wurde Raubling gegen 1880 zum größten Torfverladeplatz Bayerns. 150 Jahren wurde das Moor geplündert, bis 2006 Schluss war. Die Renaturierung des Moores erfolgte von 2005 bis 2010. Entwässerungsgräben wurden geschlossen, um das Regenwasser im Moor zu halten. Heute führen noch 1,4 Kilometer Gleise der alten Moorbahn bis zur Mittagshütte der Fuizler unweit der Moorerlebnisstation Nicklheim. Vom Aussichtsturm könnt ihr ins Moor blicken, einen Schautorfstich erleben oder auf barrierefreien Forst-, Bohlen und Wiesenwegen etwas ins Moos spazieren.
  • Wandertipp: Kurzer Spaziergang von 3,9 Kilometer zur Nicklheimer Moorerlebnisstation

Bei Raubling wandert ihr zur Moorerlebnisstation in die Nicklheimer Filze

Haspelmoor im Münchner Westen

  • In einem Toteisbecken gelegen, ist das Haspelmoor das nördlichste Hochmoor, das durch den Isar-Loisach-Vorlandgletscher entstanden ist. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der mittlerweile verlandete See als Viehweide genutzt, erste Torfstiche sind nachweisbar. Mit dem Bau der ersten Eisenbahnstrecke von München nach Augsburg wurde das Haspelmoor teilentwässert. Ab 1990 wurde durch den kontinuierlichen Verschluss vieler Entwässerungsgräben der Grundwasserspiegel wieder großflächig angehoben. Zu entdecken sind Beerensträucher wie Heidelbeere, Preiselbeere oder Moosbeere, Heidekraut, Sonnentau und Rosmarinheide. Neben seltenen Schmetterlingen ist das Haspelmoor auch Lebensraum für Reptilienarten wie die Zauneidechse oder die Kreuzotter. Da das Moor selbst eher klein ist, haben wir die Tour über Hörbach/Althegnenberg als Rundwanderung verlängert.
  • Wandertipp: Wanderung von 4,2 oder 11,4 Kilometer durch das Haspelmoor nach Hörbach/Althegnenberg.

Rundwanderung vom Haspelmoor nach Hörbach / Althegnenberg

Freimoos bei Amerang / Chiemgau

  • Im Rahmen der Moorrenaturierung des Klimaprogramm Bayern 2050 sollen für einen positiven Klimaeffekt bis 2020 bayernweit 50 Moore wieder vernässt werden. Im Freimoos, einem der größeren Hochmoor-Restflächen in Südost-Bayern, wurde 2013 6,2 Hektar Fläche renaturiert, wodurch jährlich 1220 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das Freimoos hat sich seitdem gut erholt. Blütenreiche Streuwiesen zwischen Misch- und Auwälder, Hecken und Gebüsche wechseln sich ab mit stillen Hochmooren und schilfbewachsenen Seeufern. Hier und da lässt sich wieder Wollgras, die Rosmarinheide oder das seltene Sonnentau oder die Moosbeere entdecken.
  • Wandertipp: Durch das Freimoos und um den Zillhamer See führt ein Moorlehrpfad. Auf 22 Tafeln erfahrt Wissenswertes über das Freimoos. Er führt zwischen Amerang und Halfing.

Wanderung von Amerang durchs Freimoos nach Halfing

Loisach Moos bei Benediktbeuern

  • Die Loisach-Kochelsee-Moore entstanden vor mehr als 15.000 Jahren in der Würmeiszeit. Das 3.600 ha Moorgebiet ist Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Mehr als 200 Vogelarten, darunter sehr viele Wiesenbrüter, rasten oder brüten hier. Wiedervernässung und extensive Bewirtschaftung der Moorwiesen stabilisieren die Populationen seltener Arten. Highlight ist der Hochmoorpfad. Schon der Start ist spannend. Auf Baumstämmen balancierend erreicht man Bereiche des Hochmoores. Der Moorpfad führt weiter über Stege, umgestürzte Bäume und Knüppelwege. Highlights sind der kleine Flying Fox und die Floßfahrt auf der Santa Maria 2.
  • Wandertipp: Rundwanderung, von 4,6 oder 10,14 Km DER MOOSRUNDWEG IST ENTLANG DER MOOSACH ERST MAL GESPERRT. DER ZUGANG ZUM HOCHMOOR IST JEDOCH MÖGLICH

Rundwanderung durchs Moos bei Benediktbeuern.

Wiesfilz bei Steingaden im Pfaffenwinkel

  • Das Naturschutzgebiet „Moore um die Wies“ ist 378 Hektar groß und im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 ausgewiesen. Das am besten zugängliche Teilgebiet ist der Wiesfilz. Über den Steg kommt man nah in das sensible Ökosystem, in dem Sonnentau, Kiefern und Libellen zu beobachten sind. Obacht, ein Schritt neben den Weg bringt schnell nasse Füße. Groß ist das Moos wirklich nicht. Nur knapp 300 Meter sind es, auf denen wir über Brettern das Moor überqueren.
  • Wandertipp: Familien-Rundwanderung von Steingaden zur Wieskirche, 10,7 Kilometer.

Familien-Rundwanderung von Steingaden zur Wieskirche und Wiesfilz

Ismaninger Moor im Münchner Norden

  • Die letzten Eiszeiten hinterließen eine riesige, etwa 1.500 Quadratmeter große Ebene mit Geröllmassen, die sich von den Alpen im Süden nach Norden abflachte. Wo Grundwasser zutage trat, entstand ein ausgedehntes Quellmoor. Einer der wertvollsten im Landkreis München liegt östlich von Ismaning – das Oberföhringer/Ismaninger Moos. Umgeben von intensiv genutzten Ackerflächen und verbunden über ein dichtes Netz aus Entwässerungsgräben finden sich einzelne kleine Feuchtkomplexe mit bemerkenswerter Lebensraum- und Artenvielfalt. Übrigens: Bayern war das erste Land Europas, das exakt vermessen wurde. Als Voraussetzung benötigte man eine „Basislinie“, die man im unbesiedelten Erdinger Moos zwischen Oberföhring und Aufkirchen bei Erding festgelegt hatte. Auch wenn man die unberührten Ecken mit der Lupe suchen muss, lohnt ein Besuch.
  • Wandertipp: Ismaninger Entdeckerrunde zwischen Nudelgraben und Goldach, Wanderung, 8,6 Kilometer.

Wanderung durchs Ismaninger Moos

Moosschwaige bei der Aubinger Lohe / Münchener Westen

Die Wiesen an der Moosschwaige südlich der Aubinger Lohe bilden das Quellgebiet des Erlbachs. Er fließt er durch einige ehemalige Fischteiche, die als Biotop unter Landschaftsschutz stehen. Wir sehen vom Biber abgenagte Bäume und die Biberburg dazu unweit des Weges. Hunde sind hier unbedingt an der Leine zu führen! Angeblich lebt hier eine scheue Wildkatze. Die Stadt München hat hier mehr als 100 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen in der Moosschwaige für das Ökokonto und Ausgleichsfläche aufgekauft. So kann die Restfläche des Niedermoores geschützt werden und ihr nahe der Stadt und erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmittel ein tolles Biotop erleben.

Wandertipp: Rundwanderung durch die Aubinger Lohe und Moosschwaige, 9,5 Kilometer.

Rundwanderung durch die Aubinger Lohe und Moosschwaige

Noch mehr Natur: Münchner Wälder Guide

Der Münchner Grüngürtel ist 335 Quadratkilometer groß. Nadel- und Mischwäldern bestimmen den und Westen. Auf den Schotterböden im Nord-Westen wachsen Lohwälder mit Fichten, Kiefern und Eichen.

Zum Münchner Wälder-Guide