Wanderung von Weyern über Stürzelham nach Wattersdorf

Wir sind spät dran, weil Gitta mit dem Sohn noch gelernt hat. Zuerst aber reihen uns in den zähfließenden Verkehr nach dem „Brunnthal-Dreieck“ ein. Unser Ziel ist wieder mal Weyern, mit dem Auto exzellent zu erreichen und trotz seiner Nähe zu München Ausgangspunkt einiger abwechslungsreicher Runden. Diese hier ist 5,4 Kilometer lang und somit eher ein kurzer Nachmittagsspaziergang.

Wir parken bei der Kirche wofür es keine Anfahrtsbeschreibung braucht. Ihr Turm weißt von der A8 den Weg. In den letzten Jahren sind hier südlich des Klosters eine Reihe von Eigentumswohnungen entstanden. Erwähnenswert nur, weil sie sich in das Ensemble um Kirche, Kloster und Rathaus so wunderbar einfügen. Mit einer zurückhaltenden architektonischen Linie schließen sie den Platz ab, indem sie alte Gebäude einer neuen Bestimmung zuführen und mit Neuem behutsam eine erweiterte Ortsmitte schaffen. So ist auch in der ehemaligen Klosterbrauerei aus dem Jahr 1706 das neue Kostercafe eingezogen.

Folge den Weyerner Kulturpfad

Durch den Torbogen beim Rathaus folgen wir auf der anderen Seite dem Mangfallweg und orientieren uns nach dem letzten Bauernhof am unteren Hangweg und dem Wegweiser mit dem Blauen K“, das für den Weyarner Kurlturpfad. Der Weg ist wunderbar, vorbei am Waldkindergarten und dem Brünnchen.

Weyern oder Dorf 2000

Weyarn hat in den letzten Jahrzehnten eine enorme Veränderung durchgemacht. Das erste Ergebnis konnte man im  Jahr 2000 präsentieren, als es bei dDSC00806er Weltausstellung im weltweiten Projekt Dorf 2000 Bayern vertrat.

Der Handlungsdruck war zuvor groß,  da der Ort wurde vom Verkehr überrollt wurde, lokale Geschäfte und Gasthäuser weniger wurden und die Gefahr bestand, dass Weyarn eine Schlafststadt wird. Seit dieser Zeit geht in Weyarn nichts mehr ohne die Beteiligung der Bürger.  Es gibt Arbeitskreise z.B. für „Verkehr & Ortsbild“, „Energiewende“, „Jugend“, „Dorfleben“ oder „Asyl“. 

Normalerweise gehts zielstrebig zur schmalen Fußgänger Mangallbrücke, doch wir haben uns kurzfristig entschlossen, vorher den Hang hinauf Richtung nach Stürzelham im Osten einzuschlagen.  Alleine der Ortsname macht neugierig, klingt er doch etwas nach heiler Welt und  Volksschauspiel. Würde ich ein Theaterstück verfassen, könnte es lauten, „Der Besenbinder von Stürzelham“. Ein Besenbinder trifft alte Jugendliebe, die aus der alten Beziehung eine bildschöne Tochter bekommen hat, von der der Besenbinder nichts weiß. Als er es weiß, will das Mädel seinen reichen und besten Freund heiraten. Das klingt nach Konflikt. Es geht aber gut aus, weil sich das Mädel für den jungen und feschen Sohn des Nachbarn entschieden hat. Ähnlichkeiten zu realen personen sind rein zufällig. Da steckt auf jeden Fall eine Menge falschens Lokalkolot drin, für die es immer eine Zielgruppe gibt.

Die Strasse nach Miesbach klingt kurzzeitig unangenehm laut. Ein Benz, grün-metallig überholt uns und wir sehen Leute beim Eisstockschießen und Bienenkästen im Schnee. Das ist Lokalkolorit wie es echt ist und mir gut gefällt. *Gemerkt*: Wenns geht diesen Winter noch Eisstockschießen gehen. Am letzten Haus des Ortes folgen wir den Weg nach Wattersdorf. Vorbei kommen wir an einem kleinen Moor wo die Weidenkätzchen bereits austreiben. Wattersdorf zählt zu den Orten, die zur Gemeinde Weyarn gehören.

Ehemaliges Schloß Wattersdorf

Vor einigen Jahren stand auf einer Kuhweide ein seltsamer Stein, welcher der letzte klägliche Reste des Schlosses zu Wattersdorf war. Der Churfürstliche Rentmeister Bernhard DSC00790Barth wertete ein bestehendes Gebäude mit vier Ecktürmchen, der Kapelle „Verklehrung Christi“ und Ringmauer zum Schlösschen auf. Nach mehreren Imobilienwehsel, so auch an den Grafen Arco wurden vor dem ersten Weltkrieg Grundstück und Gebäude an das Leitzachwerk-Konsortium verkauft. 1933 wurde das gesamte Schloss abgerissen, da es es sichDSC00793 im baufällgen Zustand befand (Josef Hatzl). Das Relikt stand ursprünglich an der Norwest-Ecke des Gebäudes als „Prellstein“. Vor dem Cafe Lebzelter in Miesbach ist noch ein Geländer des Schlosses im Einsatz. Das Dorf hat sich hier erneuert, neuer Wohnraum auf historischem Grund.

Wir gehen durch den Ort nach Westen Richtung Weyarn zurück, schlagen aber noch einen Bogen über die Ziegelstrasse. Wieder in Weyarn suchen wir noch den Aussichtsberg mit der Steinvolute von Tobel. Der Blick geht von hier klar zu Wendel- und Breitenstein. Wir sehen von hier die Autos, wie sie ohne Unterlass aus Miesbach kommen. Uns erwartet auch zur Rückfahrt reger Verkehr. Ein schöner Ort, wäre nur nicht das Dauerrauschen der Autobahn. Da haben die Wayener noch einiges zu tun. Vielleicht einfach das Neubaugebiet bis an die Autobahn verlängern und als Schallschutz verwenden.

 

Stürzelham und Stürzelhammer

Ach ja. Als wir zum Ende unserer Runde am Gemeindeanschlag vorbeikommen, sehen wir dort ein Plakat von „Die Stürzelhammer“, welche demnächst im Ort einen Auftritt geben. „Die Stürzelhammer“ sind allerdings nicht die örtliche lokale Schauspielgruppe, sondern ein musikalisches Quintent mit einem vielseitigen Repertoire, das wie sie auf ihrer Website schreiben von „Oberkrainermusik über volkstümlicher Musik, Schlager, Rock- und Popmusik bis hin zu Stimmungshits“. Die heizt auch schon mal den Ossis in Dessau beim örtlichen Oktoberfest DSC00807so richtig ein. Mit Lederhosen und dem „modernen Repertoire Oldies, Medleys mit Bläsersätzen, Stücke im BigBand-Stil, Rock und aktuelle Stimmungshits“ ist es eh wurscht was man spielt. Hauptsache bayerische Sprachfärbung und lustiger Name und flotte Anschläge. *Upps*. Das war aber jetzt gehäßig und ich entschuldige mich dafür. Natürlich ist es egal, ob ich als oberbayerische Musikgruppe ein Lied über die Mangfall im Oberkrainer-Stil verfasse, da es eh „volkstümliche Musik“ ist und Lederhose und Dirndl auch schon längst als allgemeine Tracht der Deutschen gilt. Also können wir das gerne in einen Sack stecken, besonders wenn der Alkpegel steigt, weils dann die Schärfen verschwinden und nur noch der Augenblick zählt. Aber Letzendlich schaut jeder wo er bleibt ob mit scharfen oder verschwommenen Blick. So ist es auch mit dem Motto der Gemeinde: „Die Werte des ländlichen Raumes zu erhalten und die Zukunft mit allen Bürgern zu planen“. Weyarn entwickelt sich und ist im Grund – von der Ferne betrachtet – gut aufgestellt. Das WIE, ist dabei allerdings sehr spannend. Mit dem für 2016 angekündigten Vollsortimenter wird allerdings auch der Dorladen zugesperrt, wie es der Verein beschlossen hat und es im Merkur vom 30.11.14 lesen konnte.

Kleine Orientierungshilfe

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VON WEYARN NACH WATTERSDORF

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
TORTENSCHMIED: 47.860023, 11.831353
SCHLOSSSTEIN: 47.856669, 11.815989
AUSSICHTSPUNKT: 47.859275, 11.801344
PARKPLATZ AM KLOSTERWEG: 47.858041, 11.797272
Motivat
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