Rundwanderung bei Dietramszell: Zum Waldweiher und Maria-Elend

Wanderungen 3,5 / 4,5  und 6,5 KilometerKarte

Was hat mehr Qualität: bei schönem Wetter einen Besuch machen, oder einen gemeinsamen Spaziergang im Grünen unternehmen? Für uns gilt eher Letzteres. Eine Ortsveränderung bringt Abwechslung, man hat ein gemeinsames Erlebnis, woran man sich gerne und länger erinnert. Reden kann man außerdem auch im Gehen. Das hatten wir uns auch 2017 gedacht, als wir hier eine der letzten gemeinsamen Wanderungen mit meinem Vater gemacht haben. Eine sehr gute Entscheidung!

Maria Elend

Das erwartet euch auf der Wanderung zum Dietramszeller Waldweiher

Die Gegend um Dietramszell herum gehört für uns zu einer der Schönsten in ganz Oberbayern. Eingebettet in sanften Hügeln liegt der Waldweiher, der besonders im Spätnachmittagslicht wunderbar glitzert. Neu ist seit September 2020 der Bestattungswald Waldruh südöstlich des Sees.

Dass sich hier wunderbar Filme drehen lässt, hat sich herumgesprochen. An folgenden Drehorten kommt ihr vorbei:

  • Kreuzbichl: Malerisches Kircherl und Friedhof mit Weitblick, die bei „Sturm der Liebe“ bayerisches Oberland-Idyll in reinster Form vermittelten.
  • Der Dietramszeller Waldweiher, der in TV-Folge 8 /Staffel 9 von „Forsthaus Falkenau“ das Krokodil „Pascha“ die Badegäste in Angst und Schrecken versetzte. Nervenkitzel pur. Das gleichnamige Forsthaus findet man nicht weit davon entfernt, genau wie Maria Elend, die hübsche Wallfahrtskirche, welche in zahlreichen Szenen zu sehen war.
  • „Ballon-Startplatz“Im September und Oktober 2017 dreht Bully Herbig hier Szenen für seinen neusten Film „Der Ballon“. Den Set haben wir uns mal an einem drehfreien Tag angesehen.

Warum es daran liegt, dass Dietramszell trotzdem nicht so überlaufen ist? Vielleicht ist es die Lage nördlich des Zeller Waldes, der wie ein Riegel die Verkehrsströme kanalisiert. Die Bundesstraßen nach Bad Tölz führen weiter links über Holzkirchen oder rechts bei Bairawies vorbei.

Anfahrt mit dem Auto nach Dietramszell

Anfahrt mit dem Auto: Zum Beispiel auf der Salzburger Autobahn (A8) bis Hofoldinger Forst und von dort über Sauerlach, Arget, Steingau, Lochan nach Dietramszell. Zwei Parkplatzoptionen bieten sich an:

  1. Wir finden den Start am Kreuzbichlweg 26/Dietramszell schöner, da er gleich zu Wanderbeginn schöne Glücksausblicke verspricht und für die längere Rundwanderung praktischer gelegen ist. Parkmöglichkeit am Feld, rechts.
  2. Wer es kürzer mag, lässt sein Auto 100 Meter westlich an der Klosterschänke stehen (an der Straße nach Holzkirchen und südlich vom Kloster). Wenn man Pech hat, wird gerade fürs Fernsehen gedreht und alles steht voller Produktionsfahrzeuge. Fürs Wochenende gilt das aber eigentlich nicht.

Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Anfahrt mit der S3/ Holzkirchen bis Deisenhofen, von dort mit dem Bus 381 (Fahrplan)  / Geretsried bis nach Dietramszell Schule.

Über den Kreuzbichl hinunter zum Dietramszeller Kloster gewandert

Wunderbare Wiesen liegen vor uns und der Weg führt mitten hindurch. Leicht rechts sehen wir das Kircherl „Kreuzbichl“ mit den Friedhof der Gemeinde Dietramszell. Nach kurzen 300 Metern erreicht man diesen exponierten Ort, von dem man einen schönen Blick nach Westen Richtung Bairawies und nach Süden über den Ortsteil Obermühlthal hat.

Um zum Kloster zu kommen, gehen wir den Fußweg nach Osten. Der Kirchturm der Klosterkirche weist uns den Weg. Rechts ein Bankerl. Kann man da einfach so vorbei gehen? Wir setzen und mal kurz hin und blinzeln in die Sonne.

Vor dem ersten Haus folgen wir dem Wiesenweg südöstlich rechts an der Hecke entlang. Es geht alsbald abschüssig ins Tal hinab, wo wir fast paßgenau auf die sehenswerte Barockkirche treffen. 1098 durch Udalschalk, Abt des Benediktiner Klosters Tegernsee gegründet, war das Kloster bis zur Säkularisation den Augustiner-Chorherren zugehörig. Heute leben Salesianerinnen in Dietramszell. In der ehemaligen Klosterschule befindet sich eine Montessori-Bildungseinrichtung.

Am Portal und am Spielplatz der Schule gehen wir vorbei zur Klosterschänke (Vorsicht, Biergartenalarm im Sommer!) und biegen links am Klosterplatz in die Straße nach Holzkirchen ein. Nach 50 Metern stoßen wir rechts auf den Parkplatz, der für die kürzere Dietramszeller Familienrunde Ausgangspunkt ist.

Zwei Wege führen zum Waldweiher

  1. Der saubere Weg

    Wer mit dem Kinderwagen oder älteren Herrschaften unterwegs ist, vielleicht auch seine neuen Schuhe nicht dreckig machen will, folgt der Fahrstraße, die am Parkplatz vorbei den Hang hinauf führt. Nach 250 Metern am Wegkreuz links abbiegen. Das Forsthaus Falkenau seht ihr zur rechten. Privatbesitz, also den Grund nicht betreten! Weitere 500 Meter dem Straßerl folgen.

  2. Der wilde Pfad

    Wir finden den Fußpfad schöner, der zwar matschiger, aber abwechslungsreicher und spannender ist. Alte und dicke Bäume säumen den Weg. Wilde Vegetation, wucherndes Grün. Manchmal versperrt ein umgestürzter Baum den freien Gang. Einfach Umgehen oder rüber steigen. Den Einstieg findet ihr im östlichen Bereich des Parkplatzes bei der Informationstafel.

Nach 500 Metern erreicht man den Weiher. Er liegt wirklich malerisch, das ehemalige Fischwasser des Klosters. Im Sommer könnt ihr hier ins kühle Nass springen und schwimmen, im Winter natürlich auch. Kleine Stege führen hinauf auf das Wasser. Setzt euch auf das Holz oder eine der Bänke und genießt den Blick. Kein Wunder, dass er auch als Filmkulisse eine gute Figur macht. Hier ist es also geschwommen das Krokodil…

Forsthaus Falkenau

1988 bis 2013 wurden im Auftrag des ZDF 321 Folgen in 24 Staffeln über die Försterfamilien Rombach und Leitner produziert. Im Zentrum der Serie steht Martin Rombach, der das größte Revier der Gegend betreut und eine große Familie hat (fünf Kinder, drei Enkelkinder, drei Ehen. Zwei sterben durch einen Unfall). Er kämpft gegen lokale Verkrustungen und ist ein ökologischer Verfechter. Der gealterte Schauspieler wurde aus der Serie geschrieben, da er nach Südafrika auswanderte, um dort ein Naturreservat zu leiten. Hardy Krüger jun. wurde das jüngere Gesicht der Serie. Wirklich jung wurde die Serie aber nicht. Insgesamt war es ein biederer Muff mit einer „alles wird wieder gut Attitüde.“

Das Forsthaus mit Martin Rombach wurden hier in Dietramszell produziert. Nach 25 Jahren Laufzeit wurde die Serie eingestellt, „um das Programm des ZDF zu verjüngen“.

  • Entlang am Uferpfad
    Unser Weg führt am Auslauf des Weihers vorbei nach Osten. Auch hier gilt: wer es wilder mag, folgt dem Uferpfad, dessen viele Wurzeln das Schieben eines Kinderwagens zur Hölle machen. Trittsicher sollte man sein. Auch hier findet man immer wieder schöne Platzerl für eine kleine Pause. Nach 500 Metern stößt man auf der anderen Seite des Weihers auf den Karren- und Wiesenweg.
    Dietramszeller Waldweiher

  • Durch den Bestattungswald Waldruh auf die andere Weiherseite

    Rechts an der Fischerhütte beginnt der Bestattungswald Waldruh mit seinen Hackschnitzelwegen. Rechts abgebogen führt der Weg zum Ufer hinab und am Schilf entlang nach Süden. Wenn ihr wollt, könnt ihr meinen Vater einen schönen Gruß von mir ausrichten. Falls ihr Euch selbst über eine Baumbestattung informieren wollt, findet ihr hier meinen Beitrag dazu. Er liegt nahe dem Ufer unter einer Buche. Biegt etwa 120 Meter weiter an der Kuhweide rechts ab, wo man nördlich des See auf die andere Seite des Sees kommt. Tipp: Verlängert den Weg um ein Stück und genießt den herrlichen Blick von der Andachtskapelle über den See. Der Abstecher lohnt sich!

    Verlängert die Runde, in dem ihr an der Abzweigung nach der Fischerhütte nicht rechts, sondern geradeaus den Hang hinauf geht. An klaren Weggabelungen rechts halten. Nach zwei Kilometern erreicht ihr das Wallfahrtskicherl Maria Elend.

Am Weiher Südufer über den Ballon-Startplatz nach Maria-Elend

Auf einer Weide grasen Kühe. Der Klang ihrer Glocken erinnert an eine Alm. Über das Schilf hinweg sehen wir das südliche Ufer. Es geht sich auf dem schönen Wiesenweg beschwingt.  Wir steuern geradewegs auf den Drehort von Bully Herbigs neuen Film zu. Nach etwa sechshundert Meter sehen wir rechts des Weges zwei mächtige Eichen. Wir haben das Set „Ballonstartplatz“ erreicht.

Set von Bully Herbigs „Der Ballon“

Wir kennen Bully Herbig eher als trotteligen Comedian und Regisseur oberflächlicher Filmerlebnisse, der das deutsche Publikum teils recht erfolgreich mit niederschwelligem Humorattacken traktiert. Mit seinem Filmprojekt „Der Ballon“ will das Haribo-Testimonial beweisen, dass er nicht bei gleichem Gesichtsausdruck blödeln kann. Mit der erneuten Verfilmung der Fluchtgeschichte von zwei DDR-Familien, die mit einem Ballon 1979 in den Westen flogen, wagt Bully sich an ein Stück Deutsche Geschichte heran, das zum Thriller taugt.

Zwei Versuche brauchte es einst, mit dem „Wind in den Westen“ zu segeln. Das Set des Ballonstartplatzes, zumindest habe ich mir das mal zusammengereimt, sehen wir zwischen dem Eichen zu linken und dem kleinen Hang. Absperrungsband zur Rechten, das Gras im Mittelbereich niedergetrampelt. Die drei Bodenanker in der Wiese halten vermutlich den Ballon am Boden. Die Scheinwerfer stehen auf den Bodenplatten oberhalb, um den Set unterhalb zu beleuchtet. Etwas nördlich sehen wir unweit Drehort und Forsthaus Falkenau. Den Wartburg mit Anhänger für den Transport des einst 100 Kg schweren Ballons haben wir am Parkplatz gesehen.
Da es beim Start einst Schwierigkeiten gab – ein Teil der Ballonhülle hatte Feuer gefangen – braucht es heute beim Film auch ein Stunt-Team, deren Pylonen in der Wiese liegen. Bin gespannt. Der Filmstart ist für den 27.09. 2018 angekündigt.

Wir stoßen auf einen Fahrweg, den man geradeaus nach Westen folgt. Maria Elend ist schnell nach 250 Meter erreicht.

Wallfahrtskirche Maria Elend

Die Wallfahrtskirche die 1690 den „Sieben Schmerzen von Mariens“geweiht wurde, ist wie die Kolsterkirche ein Barock-Juwel. Der Name klingt dramatisch, ist es auch, nicht nur nach christlicher Lehre, sondern aus Sicht einer Mutter:

    1. Darstellung Jesu im Tempel mit Weissagung Simeons
    2. Flucht nach Ägypten vor dem Kindermörder Herodes
    3. Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel
    4. Jesus begegnet seiner Mutter
    5. Kreuzigung und Sterben Christi
    6. Kreuzabnahme und Übergabe des Leichnams an Maria (Beweinung Christi)
    7. Grablegung Christi

Der Ursprung des Ortes liegt wohl länger zurück: Man erzählt sich die Geschichte, dass sich hier im Dreißigjährigen Krieg ein Flüchtender in einer plötzlich erschienenen Grube vor den Schweden verstecken konnte. Die später erbaute Barockkirche ersetzte wohl die vorherig gebaute Dankeskapelle.

Die kürzere Runde

Zurück zum Parkplatz kommt ihr, wenn ihr über den Weg rechts an der Kirche vorbei nach Norden schreitet. Nach 500 Meter am Wegkreuz links abbiegen.

Die längere Runde: Über Obermühlthal zurück nach Dietramszell

An der Gnadenkapelle halten wir uns nach Norden. Vorbei am Aussiedlerhof folgen wir 300 Meter den leicht ansteigenden Weg in den Wald hinein. Wenn sich die Bäume etwas lichten, biegen wir an der Waldweide nach Westen ab (Wegweiser nach Bad Tölz folgen). Es macht Spaß hier zu gehen, da der Weg fröhlich durch den Wald mäandert.
Nach 800 Meter stoßen wir auf eine Straße, sowie eine kleine Waldkapelle, an der wir den Rückweg einschlagen. Dafür queren man den nahen Schlagbaum im Norden, geht am Waldweiher zur rechten vorbei, den Weg den Hang bis zum Bauernhof hinauf und links am Stadel vorbei.

Der Hof liegt wunderbar. Von hier kann man den Blick hinunter ins Tal und weiter nach Thankirchen mit dem wuchtig quadratischen Kirchturm schweifen lassen. Mit leichtem Schritt gelangen wir die kleine Zufahrtsstraße 750 Meter hinab nach Obermühlthal. Wollt ihr eine kleine Stärkung? 50 Meter links findet ihr die Gastwirtschaft Liegl. Geht rechts an der Tölzer Straße entlang, wenn ihr zum Kreuzbichl zurück möchtet. Der Ortsteil ist mit einem guten Fuß- und Fahrradweg nach Dietramszell verbunden. Es geht zunächst 130 Meter am Dorfweiher vorbei, dann rechts dem am Dorfbach weiter nach Osten.

Den Aufstieg zum Kreuzbichel finden wir rechts des Hauses auf der gegenüberliegenden Straßenseite, gleich an der Abzweigung nach Bairawies. Kinderwagenschieber sind hier gefordert, denn es gibt einige Stufen hinauf zum Friedhof zu bewältigen. Nach 400 Metern schießt sich die Runde.

Wir haben die Tour sehr genossen. Das mag man schon daran erkennen, dass dieser Beitrag wieder etwas länger geworden ist. Für Euch eine Idee? Bestimmt! Jetzt schon viel Spaß!

Wanderkarte Dietramszell

1 Gedanke zu „Innehalten in Dietramszell mit Drehort- und Weiher schaugn“

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Author:in

Helmut Eder

Das Spannende liegt nicht immer am Ende des Regenbogens. Immer auf der Suche nach den kleinen Abenteuern und Geheimnissen, die man draussen findet wenn man unterwegs ist. Ich blogge über unsere Touren, meist im Süden von München und das, was uns so bei den Runden in den Kopf kommt.