Moosrundwanderung bei Benediktbeuern mit Loisachrauschen

(Wanderung, von 4,6 oder 10,14 Km) Bevor wir den Blog starteten, hatte ich mal eine Liste aller Wanderungen aufgestellt, über die wir Beiträge verfassen könnten. Diese Tour bei Benediktbeuern stand von Anfang an auf der Liste. Warum es doch so lange gedauert hat darüber zu berichten, ist mir eigentlich ein Rätsel, denn diese Rundwanderung ist ein wahres Zuckerl und eine unbedingte Empfehlung, nicht nur für Familien mit Kindern. Konkreter: die Lage im wunderbaren Alpenvorland ist toll, die Länge kann man skalieren und zu guter Letzt gibt es eine Menge zu entdecken. Wenn das nicht gute Aussichten für einen Ausflug sind! Wir waren mit Gittas Bruder Martin und ihrer Mama unterwegs, die Kinder sind in pubertärer Langeweile daheim geblieben. Selber Schuld. Vielleicht hätten wir einfach eine Ansage machen sollen, denn es hätte ihnen gefallen…

Von den möglichen Wanderoptionen beschreiben wir die lange Runde mit 10,14 Kilometern Länge, die auf der Infotafel vor Ort als „Moosrundwanderung 2“ gekennzeichnet ist.

Losgewandert an der Don-Bosco-Straße 8, 83671 Benediktbeuern

Benediktbeuern erreicht man am Schnellsten über die Garmischer Autobahn. Von der Ausfahrt Sindelsdorf sind es nur weitere 8 Minuten bis zum Kloster und dem großen Parkplatz an der Don-Bosco-Straße. Die markanten Doppeltürme der Kirche sind schon von Weitem zu sehen und weisen den Weg.

Wie groß das Ensemble des Klosterareals ist, fällt erst auf, wenn man angekommen ist. Vom Parkplatz links kommt man zum Maierhof, der Klosterwirtschaft, dem Zentrum für Umwelt und Kultur und dem Meditationsgarten, rechts vom Friedhof kommt man zum Kloster und der Kirche, der Stiftungsfachhochschule  und Jugendherberge.

So richtig kommen wir noch nicht los, denn wir sehen uns hier erst mal um.

Kloster Beneditkbeuern und das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK)

Seit über 1250 Jahren ist das Kloster Benediktbeuern nicht nur eines der wichtigsten religösen, sondern auch kulturellen Zentren in Oberbayern. Einst eine Abtei der Benediktiner, ist hier eine Niederlassung der Salesianer mit dem Schwerpunkt auf Jugend- und Weiterbildung,  unter dem Leitbild Jugend, Schöpfung, Bildung – heute für morgen untergebracht. 

Das Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern (ZUK)  ist eine gemeinnützige Einrichtung des Umwelt- und Naturschutzes, sowie ein Bildungs-, Tagungs- und Gästehaus, was 1988 auf die Initiative der Salesianers Don Bosco gegründet wurde. Ziel des ZUK ist „die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlage und des kulturellen Erbes, Wertschätzung und Einsatz für das Leben in seiner ganzen Vielfalt“. Aus christlicher Verantwortung im Einklang mit der Schöpfung finden hier in Benediktbeuern zahlreiche Bildungsveranstaltungen statt und Naturschutz und Landschaftspflege gefördert. In der nahen Umgebung gibt es daher viel zu Entdecken.

Folge den Gehölzpfad ins Moos

Vom Parkplatz wählen wir den Fußgängerweg in östlicher Richtung. Er führt uns im Linksbogen an der Jugendherberge „Don Bosco“ vorbei.  Bei nächster Gelegenheit an der Geländezubringer-Straße kurz rechts abbiegen und dann auf den nahen Parkplatz links von euch zusteuern. Hier beginnt der Moosmühlweg und gleichzeitig der Gehölzpfad des ZUK, dem wir 2,5 Kilometer bis zum Moorerlebnispfad folgen.

Teilweise sind die Bäume mit Tafeln mit einer sehr ausführlichen Beschreibung ausgestattet. Über den Gesamtweg verteilt sind es  über 30 Stationen, die mit dem Maskottchen des Moorbirkenblattes gekennzeichnet sind. Hier gibt es Holzrätsel, eine Lupenstation und auch Hecken- sowie Tier-Detektive sind gesucht. Zum Start ist er eine schöne Allee, der wir zunächst nach Nordwesten folgen. Rechts und links des Weges informative Schautafeln. Immer wieder bleiben wir stehen. Freundlich scheint die Sonne durch das helle Grün, gelöste Stimmung.

250 Meter weiter sehen wir linkerhand ein Biotop zwischen den Bäumen. Neugierig schauen wir uns das näher an. Ein Pfad führt zum und um das dicht bewachsene Wasser auf dessen anderer Seite ein Beobachtungsstand auf langen Stangen thront. Da wollen wir hin. Schön ist es hier. Wir sind allein. Frösche und Schlangen in Stein gemeißelt begegnen uns an der ein oder anderen Stelle. Über einen Bohlenweg kommen wir zum Moosmühlweg zurück. Wir  freuen uns über das, was wir sehen.

Gleich auf der anderen Seite des Weges der Barfußpfad. Hier gäbe es noch den Aussichtsturm mit Blick auf eine Eisvogelbrutwand. Blick zur Uhr. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, kommen wir nicht ans Ziel. Es gibt hier einfach zu viel zu sehen.

Nach weiteren 150 Metern öffnet sich das Feld. Wir sehen den Herzogstand hinter dem nahen Kochselsee. Rechts Hecken, dahinter Mooslandschaft. Bilderbuchwetter.

Den Barfusspfad sind wir nicht gegangen, aber den Klangpfad. Man kann hier unterwegs Musik machen mit den verschiedensten Instrumenten aus unterschiedlichsten Materialien im Ein-Klang mit der Natur, und auf die Geräusche der Natur achten. Sehr schön. Erstaunlich, was alles Töne erzeugen kann und was für schöne. Da wird sogar Helmut musikalisch!

Klangpfad: Wecke den Musiker in dir!

Der Klangpfad will als Sinneserlebnis „im Ein-Klang mit der Natur“ erfahren lassen. Wir biegen rechts vom Wirtschaftsweg ab und folgen dem Pfad auf weichen Holzhackschnitzeln, der uns an verschiedenen Erlebnisstationen vorbei führt. Wir stecken den Kopf in den Summstein, wo wir die Resonanz der Stimme bis in den Fußsohlen spüren, lauschen der Musik eines Baches und staunen, welche Klänge man einer Marmorsäule entlocken kann. Gemeinsam experimentieren wir generationenübergreifend und haben Spaß. Weiter an der Lauschwand, Holz-Xylophon oder Lithophon.

Der Klangpfad führt am Ende wieder auf unseren Wanderweg, dem wir weiter folgen.

Von der Moosmühle zum Hochmoor

Wieder auf dem Moosmühlenweg sieht man nördlich die kleine Halle der Segelfluggruppe Benediktbeuern. Nach 250 Metern erreichen wir die Moosmühle. Unscheinbar sehen wir sie linkerhand.  In diesem Gebäude aus dem 17 Jahrhundert wurden für das Kloster Benediktbeuern unter anderem die im Moor gesammelten Gewürz- und Heilkräuter nach dem Trocknen gemahlen und Öl für Arzneien gepresst.

Gleich nebenan, befindet sich die Vogelstation „Moosmühle“, wo man mit etwas Glück auch den seltenen Eisvogel beobachten kann. Von November bis März finden hier in der Regel von 13.30 – 15.30 Uhr  Führungen statt. Die Termine findet ihr hier.

Wir folgen dem Weg nach rechts (nicht geradeaus ins Moos) kommen an einem Wegkreuz mit Bank vorbei und erreichen alsbald eine erneute Wegkreuzung. Gut gemeinter Schilderwald. Ab hier Hunde an die Leine. Von hier geht es kerzengerade nach Westen (links). Dem Moosrundweg 2 weiter folgen. Der Gehölzpfad begleitet uns auch auf dieser Strecke mit reizvollen Ausblicken auf das Bergpanorama. Auf halber Strecke lädt eine weitere Vogelbeobachtungsstation ein, die Natur durch ein Fernglas zu beobachten.

Immer wieder ist es unterhaltsam und lehrreich. Das macht die Gerade durchaus kurzweilig.

Nach knapp einen Kilometer kommen wir an das Ende des Gehölzpfads und den Einstieg in den Hochmoorpfad rechts vom Weg.

Abenteuer Hochmoorpfad

Für uns ein Highlight dieser Tour. Schon der Start ist spannend. Auf Baumstämmen balancierend erreicht man Bereiche des Hochmoores, die man als Wanderer so nicht zu sehen bekommt. Zur Sicherheit gibt’s einen Handlauf. Für Pelle unseren Hund waren die Bohlen kein Problem, eher für mich, da ich ihn an der Leine geführt hatte und er diese auf Zug hielt.
Er führt weiter über Stege, umgestürzte Bäume und Knüppelwege. Mit ungeheurem Spaß entdecken wir die aufgestauten Flachwasserflächen und die Hochmoorvegetation. Highlights sind der kleine Flying Fox und die Floßfahrt auf der Santa Maria 2.

Achtung, uns hätten hier beinahe die Mücken aufgefressen. Schnell durchgehen oder gut einschmieren.

An der Loisach entlang Richtung Berge

Der Hochmoorpfad bringt uns etwas weiter westlicher wieder auf unseren Weg zurück. Wer will kann hier den Rückweg antreten, oder wie wir den Bogen an der Loisach nach Süden schlagen. Da es bis jetzt so unglaublich viel zu entdecken gab, haben wir mit Blick auf die Uhr bis hierher im Vergleich zur Gesamtwegstrecke ganz schön lange gebraucht. Der Weiterweg geht aber deutlich schneller, obwohl der Rundweg von hier noch 7,4 Kilometer zurück zum Kloster führt. Verpassen solltet ihr den Rest aber nicht, da er wirklich schön ist!

Also weiter nach Westen. Die Loisach blitzt schon nach 300 Metern durch das Ufergebüsch. Ab hier wenden wir uns flussaufwärts. Die Wegstrecke ist toll und abwechslungsreicher als man glauben kann. Paddler treiben auf dem Wasser. Wir gucken ihnen neidisch nach. Immer wieder sehen wir im Osten satte Wiesen und die Doppeltürme des Klosters, an denen wir uns orientieren können.

Die Wolken nehmen schon seit einiger Zeit eine bedrohliche graue Farbe an. Das Licht ist beeindruckend aber auch beunruhigend. Schaffen wir es trocken zurück zum Auto?  2,3 Kilometer sind wir dem Fluss gefolgt, mal auf Fußpfad, mal auf Karrenweg. Wir erreichen erneut ein Wegkreuz. Das Hinweisschild weist nach Osten. Ein Bauer holt sammelt mit größter Eile das trockene Gras ein. Staub wirbelt auf. Wir legen einen Zahn zu. Über den Heimgarten sieht es mittlerweile fies aus. Regnet es dort schon?

2,2 Kilometer schreiten wir mit schnellem Schritt auf dem Feldweg bis man die Bahnlinie erreicht. Das Wetter hält sich. Es riecht nach Kindheit. Das Kloster kommt immer näher.

Die letzte Etappe führt 1,3 Kilometer an der Bahnlinie zurück nach Benediktbeuern. Der Wind wird stärker und weht Blasmusik vom Klosterbräustüberl zu uns herüber.  Schöner könnte es nicht sein. Als wir bei der Fraunhofer Glashütte ankommen, schlägt die Glocke. Unglaublich. Wer führt hier Regie?

Die Fraunhofer Glashütte

Wer nach der Tour noch Kraft für Bildung hat und dem Ruf des nahen Bräustüberl noch etwas widersteht, kann sich gleich nach der Klostermauer links die Fraunhofer Glashütte ansehen. Der deutsche Optiker und Physiker begründete Anfang des 19. Jahhunderts den wissenschaftlichen Fernrohrbau (Quelle Wikipedia). Bevor Fraunhofer seine Arbeit nach München verlegte, löste er hier die bisherigen technischen Probleme bei der Glasherstellung und half der modernen Glasindustrie zum Durchbruch. (Quelle Fraunhofer Gesellschaft)

In der bis heute erhaltenen historischen Glashütte sind zwei große Schmelzöfen mit Rührwerk zur Glasherstellung zu sehen, ferner, Schautafeln, optische Instrumente sowie Werkzeuge zur Glas- und Metallbearbeitung. Der Eintritt ist übrigens kostenfrei. In hier der verlinkten Broschüre erfahrt ihr Interessantes zum Leben und Wirken von Jospeh von Frauenhofer.

Während wir uns in der Glashütte umsehen, fängt es zum Regnen an. Egal, zum Biergarten ist es nicht mehr weit. Einfach 100 Meter weiter der Bahnlinie folgen und links durch das Tor. Unter Schirmen machen wir Brotzeit und bei einem Russn lassen wir die Tour schon mal Revue passieren. Daumen rauf, dicke Empfehlung!

Kleine Orientierungshilfe

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Moosrundwanderung bei Benediktbeuern, 10,10 Kilometer

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Klangpfad: 47.713700, 11.387800
Hochmoorpfad: 47.717587, 11.370335
Parkplatz: 47.708679, 11.399581
Barfußpfad: 47.709993, 11.393960
Klosterbräustüberl: 47.707632, 11.401813
Historische Freuenhofer Glashütte: 47.706513, 11.401277
Meditationsgarten: 47.708087, 11.400461
Segelflugplatz Benediktbeuern: 47.715623, 11.384389
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Bnediktbeuern kurze Moosrunde, 4,6 Kilometer

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Klangpfad: 47.713700, 11.387800
Hochmoorpfad: 47.717587, 11.370335
Parkplatz: 47.708679, 11.399581
Barfußpfad: 47.709993, 11.393960
Klosterbräustüberl: 47.707632, 11.401813
Historische Freuenhofer Glashütte: 47.706513, 11.401277
Meditationsgarten: 47.708087, 11.400461
Segelflugplatz Benediktbeuern: 47.715623, 11.384389
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